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100 Jahre St. Martin – ein Sturz, ein Eklat

100 Jahre St. Martin – ein Sturz, ein Eklat
Der St. Martinszug in Sittard findet in diesem Jahr zum 100. Mal statt. In der langen Tradition gab es bereits einige kuriose Geschichten. FOTO: Bert Stevens
Sittard. Der Schulbezirk Sittard erlebt am 18. November ein ganz besonderes Jubiläum: Der St. Martin jährt sich dort zum hundertsten Mal. Im amtierenden Martins-Komitee ist man sich einig: diesmal soll alles „größer“ werden, dazu mehr Musik auf der Straße und ein riesiges Feuer in der Sittarder „Kull“. Von Bert Stevens

Bezirksvorsteher Arno Oellers erinnert sich noch so, als wäre es erst gestern gewesen: „Als Schüler der Volksschule Sittard hatten wir zu St. Martin einen besonders langen Zugweg – rundweg vier Kilometer. In Knoor wurde sich aufgestellt, dann ging es über die Dörfer Merreter, Schriefers, Sittardheide, Genholland, Baum und Hilderath zum großen Martinsfeuer auf unseren Schulhof in Sittard. Unsere Füße qualmten, wir waren anschließend geschafft. Ja, wir haben uns damals die Tüten redlich verdient!“

Das, was der Bezirksvorsteher-West heute so treffend beschreibt, ist in den Erinnerungen der Ehemaligen der Volksschule Sittard noch fest verankert. Auch der Sittardheidener Josef Baltes erinnert sich noch gut an diese Zeit. Der heute 81-Jährige gehörte 55 Jahre lang zur musikalischen Zugbegleitung. „Die Straßen waren damals in einem sehr erbärmlichen Zustand, dazu lag häufig Schnee, teilweise war es auch glatt. Mit unseren Instrumenten kamen wir mehr als einmal ins Wanken“, erzählt Josef Baltes. Auch den Sturz des damaligen St. Martin Paul Hilgers von seinem Pferd hat er noch gut vor Augen: „Das Pferd scheute, ging durch – und unser Paul konnte sich natürlich nicht mehr halten – er fiel aus dem Sattel. Paul wurde dabei zum Glück nur leicht verletzt und als St, Martin führte er nun den Fackelzug – sitzend – in einem Feuerwehrwagen an. Sein Pferd verstarb leider einen Tag später. Die Ursache ist unbekannt.“

In den alten Schriften des Komitees findet man allerdings nur sehr wenig über diese und ähnliche Begebenheiten. Verbrieftes um den Sittarder St. Martin ist kaum vorhanden oder eben mit der Zeit abhanden gekommen. Doch ein weiteres Ereignis in der langen „St. Martin- Schulbezirks-Tradition“ hat sich ebenfalls unauslöschlich in den Köpfen der St. Martins-Freunde eingeprägt, sorgte damals sogar für Schlagzeilen – und Harald Rütten vom Martins-Komitee Sittard berichtet so darüber: „Wir bekamen von der Polizeistaffel MG eine „Martinette“ zugewiesen, was wir auch akzeptiert hätten, hätte sie das bei uns bereits vorhandene Kostüm angezogen. Sie weigerte sich jedoch, wollte in ihrem eigenen Kostüm – welches aber eher aus dem Fundus eines Karnevalsverleihs stammte – das Pferd besteigen, was ihre weibliche Körperlichkeit allerdings auch nicht vor den Kinderaugen verborgen hätte. Wir lehnten ab und mussten erleben, dass sie daraufhin in Polizeiuniform den Fackelzug anführte. Viele, die diesen Zug begleiteten oder vom Straßenrand verfolgten, blieben die schönen Martinslieder geradezu in der Kehle stecken. Es war eine Katastrophe. Die Kinder waren völlig von der Rolle, waren geschockt. Ein echter Eklat, der unvergessen bleiben wird.“

Die beste Gelegenheit solche Anekdoten und Histörchen nochmals aufleben zu lassen, bietet sich nach Martinsfeuer und Tütenausgabe in Sittard. Das Komitee wird auf dem Gelände des Rita-Heimes ein schönes Rahmenprogramm veranstalten. Vorgesehen ist ein Lagerfeuer, der Ausschank warmer und kalter Getränke, die Verköstigung mit Brot, dass am Stock geröstet wird, sowie enorm großer „Weckmänner“, die dann zu den Klängen der „Drums & Pipes“ verzehrt werden dürfen.

Übrigens: Jährlich kommt es vor, dass viele gut gefüllte Martinstüten nicht abgeholt werden. Sie gehen dann als Spende an ein Jugendhaus der Stadt.

(Report Anzeigenblatt)
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