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36 Grad im Job. Wie lässig ist erlaubt?

36 Grad im Job. Wie lässig ist erlaubt?
Ein bisschen leger darf’s sein bei der Hitze – aber Büro ist nicht gleich Urlaub. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Hotpants, Muskelshirts und Adiletten – wer so zur Arbeit geht, hat entweder einen extrem toleranten Chef ... oder ist selbst Chef. Ansonsten gilt: gern an die Temperatur angepasst, aber noch angemessen. Der Extra-Tipp wollte es genau wissen: Wie locker reagieren Gladbacher Arbeitgeber auf die Hitze? Von Petra Käding

Morgens um sechs geht es ja noch. Im Laufe des Tages wird’s aber heiß und heißer. Wer im Büro arbeitet, klebt früher oder später an Stuhl, Tastatur und Maus fest und kann sich kaum noch konzentrieren. Noch härter ist es aber für die, die „da draußen“ arbeiten, womöglich in dicker Uniform oder Schutzkleidung und in ohnehin schweißtreibenden Jobs.

Viele Arbeitgeber in Mönchengladbach haben schon reagiert und Sonderregelungen für ihre Mitarbeiter aufgestellt. So hat die NEW in der Verwaltung, dem Vertrieb und bei den Gärtnern den Arbeitsbeginn bis zum 31. August von 7 auf 6 Uhr vorgezogen. Und der Vorstand hat schon zweimal Eis springen lassen. Bei der Dienstbekleidung lässt sich leider vielfach nichts ändern – das habe mit Sicherheitsaspekten zu tun.

In Banken gilt ein Dresscode anderer Art: Publikumsverkehr erlaubt keine Badeshorts. In der Zentrale der Santander Consumer Bank ist also Anzug vorgeschrieben. Am Nordpark, wo viel im Hintergrund gearbeitet wird, nimmt man’s lockerer, eine Regel gilt aber: „Lange Hose ist Pflicht!“, so René Hartmann, Leiter der Internen Kommunikation.

Bei der Stadt ist die Lage entspannt. Die meisten arbeiten in Gleitzeit und können ab 6.30 Uhr anfangen. „An der Wilhelm-Strauß-Straße wurden Ventilatoren aufgestellt und der Dresscode gelockert“, so Dirk Rütten von der Pressestelle der Stadt. „Und im Rathaus Rheydt haben Kollegen Laptops bekommen, mit denen sie in kühleren Konferenzräumen arbeiten konnten.“

Die Polizeibeamten trifft es härter. „Uniform ist Uniform“, sagt Cornelia Weber von der Polizei-Pressestelle. Zwar sei die Kernarbeitszeit der Kollegen, die im Büro arbeiten von 6.30 auf 6 Uhr vorverlegt worden – Schichtdienst ausgenommen. Aber außer der Kripo, die in Zivil, also auch mal in kurzer Hose, ihren Job machen darf, treten die Polizisten in Uniform an. Auch die Einsätze laufen nach Plan. Also besser nicht schneller fahren als erlaubt, denn Verkehrskontrollen finden auch bei 36 Grad statt. Wenn es zum Einsatz von Hundertschaften kommt, tragen die auch volle Montur – vom Körperschutzanzug bis zur Jacke darüber. Kein Pardon, aber auch das gilt natürlich der Sicherheit.

Keinen Sicherheitsanzug brauchen die Landtagsabgeordneten Jochen Klenner und Frank Boss. Mit locker-lässig ist bei ihnen aber auch Essig. Auf wichtigen Terminen und im Landtag heißt es repräsentieren, sprich: Anzug tragen – und das, obwohl ihre Büros im nicht klimatisierten zweiten Stock auf der Sonnenseite liegen. „Wir suchen manchmal Zuflucht bei den Kollegen im fünften oder sechsten Stock“, verrät Klenner. „Die haben eine Klimaanlage.“ Bei Terminen orientiert er sich daran, wie es die anderen machen. Behalten die ihre Sakkos an, tut er’s auch.

Schwer ins Schwitzen kommen die Mitarbeiter bei Mags und GEM, die harte körperliche Arbeit verrichten. Für die gibt’s vom Arbeitgeber , aber auch von der Bevölkerung Erfrischung. „Viele Müllwerker der GEM berichten, dass die Mönchengladbacher sie mit Wasserflaschen empfangen“, berichtet Anne Peters-Dresen von der Mags. „Das ist eine sehr nette Geste, für die wir uns ausdrücklich bedanken möchten.“

(Report Anzeigenblatt)