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„Die Kinder blühen auf“

„Die Kinder blühen auf“
Für Eickener Flüchtlingskinder im Einsatz: Gemeindesozialarbeiterin Walburga Iseken (vorne) und (v.l.) ÖJE-Mitarbeiterin Svenja Kallies, Schulleiterin Rita Paderhuber, Pate Hans-Jürgen Müller und Gemeindereferent Wolfgang Mahn. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Fußball spielen, Hausaufgaben machen, die Stadt zeigen, den Eltern Behördengänge erklären: Die Aufgaben von Paten für Flüchtlingskinder sind vielfältig. Immer aber haben sie mit Verantwortung und Sensibilität zu tun. In Eicken werden noch Paten gesucht. Von Ulrike Mooz

Das Wort „Helfer“ mag Wolfgang Mahn, Gemeindereferent der Pfarre Sankt Vitus, nicht hören, wenn es um Patenschaften für Flüchtlingskinder und -familien geht. Helfer klingt so nach Erfüllungsgehilfen, wir suchen ehrenamtliche Mitarbeiter auf Augenhöhe“, sagt er. Die Pfarre schult seit zwei Jahren in Kooperation mit dem Caritasverband ehrenamtliche Paten für Menschen mit Migrationshintergrund – vor allem Kinder. Und im Rahmen des Projektes werden auch Paten gesucht und an passende Flüchtlingskinder und ihre Familien vermittelt.

Hans-Jürgen Müller ist so ein Pate. „Ich hatte eine tolle Kindheit, eine gute Bildung, hab Karriere gemacht und die richtige Frau gefunden – kurz, das Leben war gut zu mir“, sagt er, deshalb habe er etwas zurück geben wollen. Seit einem Jahr ist er Pate einer allein erziehenden Afrikanerin und ihres achtjährigen Sohnes. Für Afrikaner sei die männliche Rolle in der Kindererziehung ganz besonders wichtig, habe er gelernt, so Müller. Für den Jungen ist er deshalb so etwas wie der Onkel geworden. Er und seine Frau sind inzwischen mit Mutter und Kind gut befreundet, die berufstätige Mutter bekommt ein bisschen Entlastung und der Sohn geht mit Onkel Hans-Jürgen zum Fußballtraining, klettern oder ins Kino. „Was uns erwartet, wusste keiner so genau“, sagt er, aber sie seien sehr gut vorbereitet worden.

Gemeindesozialarbeiterin Walburga Iseken vom Caritasverband ist die Fachfrau, die die Paten darauf vorbereitet, wie es ist, auf fremde Lebenswelten und andere Kulturen zu stoßen. „Wir brauchen Leute, die die Welt durch eine kultursensible Brille betrachten“, sagt sie, nicht welche, die meinen, sie brauchten die Schulung nicht, weil sie mal Lehrer waren oder das eine oder andere Land bereist hätten.

Die Basisausbildung umfasst zwei Samstagstermine mit Rollenspielen, Vorträgen und Diskussionen, in denen auf die Patenschaft und eventuelle Probleme vorbereitet wird. Am Ende gibt es ein Zertifikat. Und auch später bekommen die Paten Begleitung, weitere Schulungen und regelmäßigen Austausch. 14 Paten sind bereits unter dem Dach der Gemeinde aktiv.

Ebenfalls unter der Trägerschaft der Pfarre hat die Katholische Grundschule Untereicken gemeinsam mit der Ökumenischen Jugendarbeit Eicken (ÖJE) ein weiteres Patenschaftsprojekt ins Leben gerufen. Hier sind vier Paten aktiv und 35 Kinder mit Fluchterfahrung suchen noch jemanden. Wie gut den Kindern die Paten tun, sieht Schulleiterin Rita Paderhuber im Unterricht. „Die Kinder blühen auf und erzählen viel“, sagt sie.

(Report Anzeigenblatt)