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Der Jüchener Norbert Wirtz fertigt filigranen Edel-Holzschmuck für den Weihnachtsbaum
„Die Qualität gibt es nur bei mir“

Der Jüchener Norbert Wirtz fertigt filigranen Edel-Holzschmuck für den Weihnachtsbaum: „Die Qualität gibt es nur bei mir“
Schwippbögen hat Norbert Wirtz neuerdings sogar mit LED-Beleuchtung im Sortiment. FOTO: Andreas Baum
Jüchen. Für die gemeinsame Weihnachtsserie von Extra-Tipp und Stadt Spiegel „Wir öffnen Türchen“ waren wir in der Werkstatt von Norbert Wirtz. Der Jüchener fertigt seit elf Jahren feinste Laubsägearbeiten und unterstützt mit dem Erlös die Kinderkrebshilfe. Von Ulrike Mooz

Wenn Norbert Wirtz mit dem 0,3 Millimeter-Sägeblatt winzigste filigrane Ornamente aussägt, dann muss er die Luft anhalten, um nicht zu wackeln. Stören darf dann keiner in seiner Garagenwerkstatt, dann braucht er alle Sinne, um winzigste Aussparungen sauber hinzukriegen. Und da ist er extrem genau: kleine Fitzelchen oder hakelige Schnittkanten bestehen vor seinem kritischen Auge nicht. „Teilweise arbeite ich sogar nach Gehör. Ich höre, wenn das Blatt ans Holz geht“, sagt er.

Sein Werkzeug hat Norbert Wirtz selbst zusammengebaut aus einer Stichsäge, einem alten Staubsauger, dem Gebläseschlauch einer Dekupiersäge und Gewindeteilen von Wasserhahn und Gartentisch. Mit dem Fußschalter wie bei einer Nähmaschine setzt er seine Spezialsäge in Gang. Früher hatte er dazu - auch Marke Eigenbau - einen Lichtschalter als Fußpedal gefrickelt. Doch der hielt nicht lange. Ein Bekannter hat ihm dann einen Maschinenschalter aus den USA besorgt. Der war teuer, aber hat sich gelohnt.

Über die Jahre hat Norbert Wirtz alle feinen Sägeblätter kennengelernt, die auf dem Markt sind und seine Arbeitsweise immer weiter optimiert. Tausende von Weihnachtsbaumanhängern aus Pappelholz hat er ausgesägt und wieder und wieder geschmirgelt - mit Sandpapier, das so fein ist, dass andere damit höchstens ihre Fingernägel polieren. Am Ende sind die kleinen Holzkunstwerke so glatt, dass man fast nicht glauben möchte, dass sie aus Holz sind. „Die Qualität gibt es nur bei mir“, sagt er stolz. Und das hat sich inzwischen bis ins Ausland rumgesprochen. Nach Meran und Verona hat der Jüchener nämlich auch schon geliefert. „Das sind Leute, die hier auf dem Weihnachtsmarkt was gesehen haben, und dann bei mir Bestellungen aufgeben.“ Ein „Nein“ gibt es bei Norbert Wirtz nicht. Er sägt alles aus, vom Graffiti nach der Vorlage eines Handyfotos bis zu Björn dem Elch oder Harry Potter. Das meiste aber sind filigrane Sterne, Engel, Weihnachtsbäumchen, teils mit verschlungener Ornamentik oder auch schlicht, mal selbst entworfen, mal verbesserte Vorlagen aus dem Katalog oder Anregungen von Kunden. All das kann man an den Weihnachtsbaum hängen. Und dann gibt es da noch die Kantenhocker - Tiere oder Figuren, die mit baumelnden Beinen auf dem Regal sitzen können. Die malt Tochter Melanie mit der gleichen Ausdauer und Akribie bunt an. Oder die Baumstamm-Weihnachtsmänner von ganz winzig bis ganz dick. „Bei mir bekommen die auch im Laufe der Jahre keinen Riss im Gesicht“, verrät Norbert Wirtz - denn auch hier hat er getüftelt, bis alles perfekt war. Dann gibt es da kleine Schwippbögen - neuerdings auch mit LED-Beleuchtung, den Mops Tobi als Holzfigürchen nach lebender Vorlage, dreidimensionale Weihnachtsbäumchen, Serviettenhalter mit Weihnachtsmotiv, Fensterbilder und Vereinsembleme. Acht bis zehn Stunden verbringt Norbert Wirtz täglich in seiner Werkstatt und wenn er seine kleinen Kunstwerke zeigt, dann schwingt da eine Menge Leidenschaft mit. 260 Artikel hat er zur Zeit im Sortiment.

Seit elf Jahren tut der Jüchener all das für die Kinderkrebshilfe. Den gesamten Erlös gibt er dorthin. Über die Jahre hat er so schon 79 000 Euro gespendet.

Nach unternehmerischen Gesichtspunkten stehen Arbeitsaufwand und Preis bei Norbert Wirtz in keinem Verhältnis. Dann dürfte ein ausgesägtes Pferdchen nicht 1,20 Euro und ein in zwölf Arbeitsgängen gefertigtes Mini-Weihnachtsmännchen nicht 70 Cent kosten. „Aber ich will ja, dass die Leute ganz viel davon kaufen“, sagt er. Und die Rechnung geht auf: Der 72-jährige ist inzwischen in der ganzen Region bekannt. Beim jährlichen Garagenverkauf allein kommen rund 2 000 Euro zusammen. Die 400 Sägeblätter, die er im Jahr verbraucht und die 50 Quadratmeter Holz, die er zersägt und poliert zahlt er noch obendrauf. Das ist für eine Privatperson so eine große Summe, dass er dafür vor ein paar Monaten das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat.

Bis sie vor ein paar Jahren durch eine Handverletzung ausfiel, hat Wirtz’ Frau Karin noch mitpoliert. Das geht jetzt nicht mehr. Aber sie ist, wie der Rest der Familie natürlich immer mit dabei, wenn der jährliche Garagenverkauf stattfindet und wenn es in Jüchen auf den Weihnachtsmarkt geht. „Da bilden sich Schlangen vor unserem Stand“, freut sich Norbert Wirtz, dessen Stammkundenkreis ständig wächst.

(Report Anzeigenblatt)