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Taubenplage in der Mühlenstraße/ Hausbewohner fühlen sich von Kreisbau und Stadt im Stich gelassen
„Die Tauben lachen sich doch eins“

Taubenplage in der Mühlenstraße/ Hausbewohner fühlen sich von Kreisbau und Stadt im Stich gelassen: „Die Tauben lachen sich doch eins“
Taubendreck verkrustet Fensterbank und Hauswand: Resi Kirberg und Nachbar Udo Schmidt ärgern sich über Vermieter und Stadt. FOTO: Andreas Baum
Rheydt (um). Rheydter Mieter wissen nicht mehr weiter: Auf ihren Fenstersimsen haben sich Tauben eingenistet und bekleckern Fensterbänke und Eingänge mit ihren Hinterlassenschaften. Hausbesitzer und Stadt fühlen sich nicht zuständig. Von Ulrike Mooz

Wer das Haus an der Mühlenstraße betreten will, muss erstmal einen großen Schritt über eine „Schwelle“ aus Taubendreck machen. Trotzdem hinterlässt er noch schmuddelige Fußabdrücke aus Kot und Federn im Hausflur. Wenn es regnet, spritzt der Dreck bis auf die Briefkästen und hinterlässt dort milchige Sprenkel.

Die selben Sprenkel hat Resi Kirberg eine Etage höher auf ihrem Wohnzimmerfenster. Auf einem Sims über dem Fenster haben es sich die Tauben gemütlich gemacht. Allabendlich nach 18 Uhr lassen sie sich dort nieder, um zu schlafen – und Resi Kirbergs Fensterbank zum Taubenklo zu machen. „Es sind inzwischen zehn, ich habe sie gezählt“, sagt sie.

Resi Kirberg und Nachbar Udo Schmidt haben mehrfach bei ihrem Vermieter Kreisbau AG, dem Ordnungsamt und dem Gesundheitsamt angerufen, doch nirgends bekamen sie Hilfe. Maßnahmen seien zu teuer, Wildtauben ständen unter Naturschutz und außerdem sei man nicht zuständig, bekamen sie zu hören. Die Krux: Das leer stehenden Nachbarhaus mit seinem verwilderten Grundstück und mehreren verwahrlosten Nebengebäuden ist ein Paradies für Tauben. Dort haben sie im Frühjahr ungehindert genistet und werden es auch weiterhin tun, befürchten Resi Kirberg und Udo Schmidt.

Immer wieder hat Resi Kirberg ihre Fensterbank abgekratzt – röchelnd, sagt sie, denn der lungenkranken Frau schlagen die Ausdünstungen auf die Atemwege. „Ich mach’ das jetzt nicht mehr“, hat sie sich entschlossen. „Manchmal kommt einer von der Kreisbau und fegt vor unserem Eingang“, hat Udo Schmidt beobachtet. Doch weiter passiert nichts.

„Wir fühlen uns so allein gelassen“, sagt Resi Kirberg. Im obersten Stockwerk, direkt vis à vis zu den Tauben, wohnt eine junge Familie mit drei Kindern. Resi Kirberg hat Plastikdohlen auf deren Fensterbank postiert, in der Hoffnung, dass die die Tauben verjagen, vergeblich. „Die Tauben lachen sich doch eins“, sagt sie. Auch knallende Brötchentüten haben sie nicht weiter beeindruckt.

Die Mieter wissen nicht, was sie noch tun sollen.

Extra-Tipp hat beim Mieterschutzbund nachgefragt, wie die Rechtslage ist. „Ein verzwickter Fall, weil Ursache und Wirkung nicht auf einem Grundstück sind“, sagt Peter Heß, Geschäftsführer beim Mieterschutzbund. Verantwortlich sei eigentlich der Besitzer des leer stehenden Nachbarhauses. Wenn der sich aber nicht rühren würde, müsse eigentlich von Seiten der Kreisbau auf ihn eingewirkt werden. „Ich wundere mich auch über das Ordnungsamt“, so Heß, denn offenbar habe der Besitzer des Nachbarhauses dieses ja nicht ausreichend abgesichert. Sowohl die Kreisbau, als auch das Ordnungsamt müssten ein Interesse daran haben, dass sich hier etwas tue. „Nicht umsonst sind Tauben als ‚Ratten der Lüfte‘ verschrien“, so Heß, sie würden schließlich auch Krankheiten übertragen. Wenn der Besitzer des Nachbarhauses nichts täte, sei der normale Weg, dass Ordnungsamt oder Kreisbau Maßnahmen einleiteten und dem Hausbesitzer die Rechnung schickten.

Die Mieter dagegen könnten erstmal nichts tun, außer am Ende einen Rechtsstreit mit Mietminderung gegen ihren Vermieter zu erwirken. „So eine Klage kostet Geld, das haben wir nicht“, sagt Udo

Schmidt…

(Report Anzeigenblatt)