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„Drücken bis der Arzt kommt“

„Drücken bis der Arzt kommt“
Obwohl es nur eine Puppe ist, habe ich Angst, etwas falsch zu machen. Deshalb ist es wichtig, zu üben, so dass man für den Ernstfall gewappnet ist. Fotos (3): Andreas Baum
Rheydt. Das richtige Verhalten kann im Notfall Leben retten: Die Elternakademie e.V. bietet regelmäßig Workshops zu Unfallverhütung und Reanimationsübungen an, in denen gezielt die Wiederbelebung eines Babys und Kindes trainiert wird. Von Simone Krakau

Stabile Seitenlage, Beatmung, Herzmassage – all das sind Dinge, die ich vom Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen meines Führerscheins kenne. Das ist aber mittlerweile auch schon acht Jahre her. Und wie man das alles richtig anwendet, weiß ich, wenn ich ehrlich bin, auch nicht mehr so genau. Und genau das sei ein häufiges Problem. „Es sollte jährlich einen Erste-Hilfe-TÜV geben, so dass jeder seine Fähigkeiten regelmäßig auffrischt“, sagt Dr. Ralph Köllges. „Das wäre doch perfekt und jeder wüsste, wie man in einem Notfall reagieren muss.“

Es ist der Alptraum einer jeden Mutter: eine Reanimation am eigenen Kind durchführen zu müssen. Jährlich passieren allein mit Kindern und Jugendlichen 1 700 Unfälle – sei es im Verkehr oder auch im Haushalt. Dr. Ralph Köllges, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin möchte mit Workshops zur Unfallvermeidung und mit Wiederbelebungstraining an Baby- und Kinderpuppen für den Ernstfall vorbereiten.

2010 gründete Köllges die Eltern-Akademie Mönchengladbach-Rheydt e.V. Gemeinsam mit Lehrrettungsassistent und Notfallseelsorger Frank Himmelmann zeigt er Eltern regelmäßig, wie man in einer Notfallsituation handelt. Zunächst klärt der Kinderarzt in seinem Seminar über Gefahrenquellen im Haushalt und deren Folgen auf. Ganz schön erschreckend, wenn man sieht, wo sich gerade für kleine Kinder gefährliche Fallen verstecken. Ganz wichtig aber ist es, Ruhe zu bewahren. „Viel zu oft werden die Leute nervös und wissen nicht, wie man bei einem Atemstillstand richtig reanimiert”, erzählt Köllges. Und eine richtige Reanimation sei enorm wichtig. Denn bis der Notarzt erst einmal eintrifft, können manchmal viele Minuten vergehen. Reagiert der Helfer aber richtig und reanimiert sofort, können beispielsweise irreversible Hirnschäden vermieden werden. „Zeit ist in diesem Fall Leben”, betont Köllges.

Aber wäre ich vor dem Seminar dazu in der Lage gewesen, jemanden richtig wiederzubeleben? Wahrscheinlich nicht. Deshalb zeigt Himmelmann uns Teilnehmern nun an Säuglings- und Kleinkind-Puppen, wie so eine Reanimation am besten durchgeführt wird: Bewusstseinslage in Form von Ansprechen oder Auslösen von leichtem Schmerzreiz feststellen, dann die Atmung überprüfen. Den Notarzt rufen, zwei Beatmungen, dreißig Herzmassagen, zwei Beatmungen, dreißig Herzmassagen und immer so weiter. Gerade wenn die Aufregung in solch einer Situation mitspielt, ist es von großem Vorteil, auf diesem Gebiet geübt zu sein. „Die Herzmassage ist bei der Reanimation das Allerwichtigste – also sollte man drücken, bis der Arzt kommt”, erklärt Himmelmann. Und eigentlich sollte das ja jeder können. „In meiner Zeit als leitender Notarzt bin ich oft an der Unfallstelle angekommen und habe wild winkende anstatt reanimierende Menschen gesehen – meist aus Angst, etwas falsch zu machen“, erzählt Köllges. „Im Grunde kann und sollte jeder reanimieren – doch leider wissen zu wenig Menschen, wie“, sagt Köllges.

Derzeit zählt der Verein zwischen 50 und 70 Mitglieder. Möchte man Mitglied werden, zahlt man 2 Euro im Monat. Die Kurse finden statt in den Räumlichkeiten der Elternakademie auf der Moses-Stern-Straße 28, können aber auch an anderen Orten durchgeführt werden. „Wir sind da sehr flexibel. Unsere Kurse können auch in Organisationen oder Schulen stattfinden”, sagt Köllges.

(Report Anzeigenblatt)