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Gladbacher Asylbewerberunterkünfte schimmelig und schmutzig: Initiative fordert Umdenken in der Kommunalpolitik
„Ein Fall für die Abrissbirne“

Mönchengladbach (um). Die Mönchengladbacher Asylunterkünfte sind einmal mehr Gegenstand allgemeiner Empörung geworden. Die „Initiative geflüchtete Menschen“ will in Kürze eine Liste mit rund 20 000 Unterschriften gegen unzumutbare Zustände an OB Reiners übergeben. Von Ulrike Mooz

Menschen, deren Dorf mehrmals niedergebrannt wurde, die Tausende Kilometer unter haarsträubenden Bedingungen geflüchtet sind, die nicht mehr wissen, wie sie in ihrer Heimat weiterleben sollen, die sind nicht anspruchsvoll. Dennoch sollte eine Stadt wie Mönchengladbach in der Lage sein, ihnen eine Unterkunft zu bieten, die sauber ist und in der die Flüchtlinge ein Minimum an Privatsphäre haben, das ist der Tenor der „Initiative geflüchtete Menschen“, die im vergangenen Oktober von Studierenden der Hochschule Niederrhein gegründet wurde und der sich inzwischen eine ganze Reihe Initiativen und Verbände angeschlossen haben.

Seit einem Dreivierteljahr nimmt die Initiative die Zustände in den Mönchengladbacher Asylbewerberunterkünften Rheindahlen, Bockersend und Luisental unter die Lupe und befindet sie für nicht zumutbar. „Überall schimmelt es“, sagt Frank Knors, der in den Baracken an der Hardter Straße jede Woche über den ökumenischen Arbeitskreis Rheindahlen ehrenamtlich Deutschunterricht gibt. Vor zwei Wochen hat er Fotos von versifften Toiletten, schimmeligen Wänden und Duschen gemacht, vor denen nur behelfsmäßige Lappen vor Blicken schützen.

Über das soziale Netzwerk Facebook haben die Bilder für so viel Empörung gesorgt, dass in nur drei Tagen rund 20 000 Facebook-User eine Petition an Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners unterschrieben haben. „Die Leute leben da mit vier Leuten auf rund neun Quadratmetern, sagt Stephan Tötsches von der Initiative. Nichtmal eine Küche gäbe es, die Flüchtlinge müssten in ihren Zimmern kochen, wo das Fett an die Tapete spritze. Es sei unmöglich, das sauber zu halten. Vor 20 Jahren, als die Behelfsunterkünfte gebaut worden seien, hätten sie vielleicht noch als komfortable Bretterbuden durchgehen können. „Jetzt sind sie nur noch ein Fall für die Abrissbirne“, findet Frank Knors, der mit der Hilfsorganisation Cap Anamur zwei Jahre an der Elfenbeinküste und drei Jahre im Kongo beim Aufbau von Flüchtlingscamps geholfen hat. „Ich habe in Afrika Lehmhütten gesehen, die man besser sauber halten kann“, sagt er.

Auch in der Politik seien die Unterkünfte immer mal wieder Thema, wissen die beiden. Doch immer werde darauf verwiesen, dass Neubauten geplant seien, oder dass es weitere Quartiere im JHQ geben soll. Auch davon sind die beiden wenig begeistert. „Natürlich geht es erstmal darum, dass die Leute ein sauberes Dach über dem Kopf haben, unter dem es nicht im Sommer überhitzt und das man im Winter richtig heizen kann“, sagt Tötsches, aber das JHQ als Ort für Asylbewerberunterkünfte würde zwangsläufig zum Ghetto führen, weil es einfach zu weit abseits sei. Man wolle die Menschen ja schließlich integrieren und nicht ausgrenzen.

Die städtischen Sozialarbeiter kritisieret die Initiative ausdrücklich nicht. Die leisteten Unglaubliches, seien schnell, unbürokratisch und hilfsbereit trotzt totaler Unterbesetzung . Die Politik sei es, die endlich umdenken müsse. „Jetzt muss schnell gehandelt werden, es reicht nicht, dass irgendwann mal neu gebaut wird“, sagt Tötsches.

(Report Anzeigenblatt)