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„Einen Moment bitte, Kundschaft“

Mönchengladbach. Wie Michael Nouneh dank Arbeitsagentur, Jobcenter und Dr. Vossieck seine Ausbildung als Hörakustiker beginnt. Von der Redaktion

Der Satz klingt schon fast banal, eine Floskel, so oft gesprochen und gehört: Sprache ist der Schlüssel, um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden, der Schlüssel zur Integration.

Wer beim Mönchengladbacher Hörakustiker Dr. Vossieck in der Rheydter Filiale anruft, kann sich davon überzeugen, dass der Satz schlicht stimmt. Vorausgesetzt, Michael Nouneh, geboren in Damaskus, ist am Telefon. Der 24-Jährige hat am 1. September hier seine Ausbildung als Hörakustiker begonnen. Vor eineinhalb Jahren kam er aus Syrien nach Deutschland. Er hat das Glück, dass seine Tante bereits seit rund 26 Jahren in Mönchengladbach wohnt. Bei ihr findet er die ersten drei Monate ein Zuhause. Vom ersten Moment an büffelt er die neue Sprache. Er absolviert erfolgreich einen Deutschkurs bei der VHS, leiht sich Bücher aus der Stadtbibliothek aus, lernt bei Aushilfsjobs mit und von den Einheimischen, zieht bei den Verwandten aus in eine WG, um nur noch die Sprache seines neuen Heimatlandes zu sprechen. Es klingt sympathisch und höflich, fast schon routiniert, wenn Michael das längere Telefonat kurz mit den Worten „Entschuldigen Sie mich bitte einen kurzen Moment, Kundschaft“ unterbricht.

Im März diesen Jahres war Michael Nouneh zum ersten Mal bei der Berufsberatung in Mönchengladbach. Für seinen Berufsberater Philipp Scharner war schnell klar, dass der junge Mann aus Syrien gute Chancen hat, hier eine Ausbildung zu machen. „Sein Abitur wurde als Fachoberschule hier anerkannt, und mit seinen Vorerfahrungen im Bereich der Augenoptik sahen wir eine durchaus realistische Möglichkeit, dass Herr Nouneh in diesem Jahr mit seiner Ausbildung beginnen kann, zumal er aufgeschlossen und ehrgeizig ist sowie Deutsch gut spricht.“ Gemeinsam mit Gerd Soggeberg, der sich als Vermittler im Arbeitgeber-Service um die Unternehmen kümmert, und dem Jobcenter Mönchengladbach, das den Lebensunterhalt sichert, arbeitet Philipp Scharner mit Michael an der Umsetzung des Planes. So wie er und seine Kolleginnen und Kollegen von der Arbeitsagentur und dem Jobcenter es bei vielen jungen Frauen und Männern machen, die nicht auf Anhieb einen Ausbildungsplatz finden: intensive Beratung und Betreuung, Kontakte zu Arbeitgebern, Vorschläge für Stellen, Hilfe bei der Bewerbungsmappe, Rat und Anteilnahme, Aufmunterung bei Absagen.

Geklappt hat es schließlich bei Dr. Thomas Vossieck. Der Hör- und Tinnitusspezialist mit zwei Filialen in Rheydt und Neuwerk gab Michael Nouneh nach dem Praktikum im Betrieb die Chance für eine Ausbildung als Hörakustiker. „Sein ganzes Auftreten, seine Kenntnisse und auch seine Zuverlässigkeit haben mich überzeugt“, betont Dr. Thomas Vossieck.

Einfach werden die drei Jahre Ausbildung sicherlich nicht, das gilt sowohl für den praktischen Teil, als auch für die Berufsschule, die in Lübeck ist. Deshalb hat Dr. Vossieck auch gerne das Angebot der Arbeitsagentur „Assistierte Ausbildung“ angenommen. Assistierte Ausbildung, kurz AsA, wird von der Arbeitsagentur Mönchengladbach finanziert. Der Bildungsträger ist das Jugendförderungswerk. Dem oder der Jugendlichen wird ein Ausbildungsbegleiter zur Seite gestellt, der in Absprache mit ihr oder ihm, dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule feststellt, wo und in welcher Form Unterstützung nötig ist und diese dann auch gibt. „Die Assistierte Ausbildung steht allen Ausbildungsbetrieben zur Verfügung“, sagt Wolfgang Draeger, Geschäftsführer operativ der Arbeitsagentur Mönchengladbach. „Und ich kann nur an alle Unternehmen appellieren, sich hierzu bei uns beraten zu lassen.“

(Report Anzeigenblatt)