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Institut für Umweltenergie sucht Bauherren für Beratung und Monitoring
„Einer muss ja mal anfangen“

Institut für Umweltenergie sucht Bauherren für Beratung und Monitoring: „Einer muss ja mal anfangen“
Norbert Orth (links) und Lorenz Leewen beraten Bauherren für das Projekt „Effizienshaus Plus“ kostenlos. Im Gegenzug nehmen die Bauherren an einem Feldversuch teil. FOTO: Jan Finken
Mönchengladbach. Das Institut für Umweltenergie ist eine Gruppe von Engagierten, die ihre Freizeit dafür opfern, umweltfreundliche und kostenarme Energiespeicherhäuser für die Zukunft zu ersinnen. Sie suchen jetzt bundesweit 250 Bauherren für einen Feldtest. Von Ulrike Mooz

Sie sitzen mit zehn Mitgliedern seit 1996 zusammen und tüfteln und sind vernetzt mit Architekten, Ingenieuren, Energieberatern, Handwerkern, Baufirmen, Herstellern und dem Großhandel. Zusammen sind sie das Institut für Umweltenergie (IfU). „Wir sind einfach eine Gruppe von Klimaschützern. Einer muss ja mal anfangen“, sagt Norbert Orth, der das Institut mitbegründet hat.

Er und seine Mitstreiter sehen sich als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Verbrauchern und wollen mit Know-How und durch die Integration von Energie- und Bauexperten praxisnahe Lösungen im Neubau sowie im Gebäudebestand schaffen. Der Gedanke: Erneuerbare Energien sind im Überfluss in Form von Sonnenenergie, Erdwärme, Wasserkraft und Meeresenergie, Biomasse und Windenergie vorhanden, warum sie also nicht nutzen? Ziel ist es, anwendungsfähige Lösungen zu schaffen und bis zur Marktreife voranzutreiben.

Eine solche Lösung ist das „Effizienshaus Plus“. Bei ihm kommen Heiz- und Kühlbeton, fortschrittliche Wärmepumpen- und Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz. Die passive Energieeinsparung erfolgt durch eine gut durchdachte Gebäudehülle und geringe nordorientierte Fensterflächen. „Es wird immer von dicken wärmegedämmten Wänden und Dächern gesprochen, aber an den Boden denkt niemand“, sagt Norbert Orth. Und so ist eines der augenfälligsten Unterschiede zum „normalen“ Haus, dass der Boden gegen das Erdreich mit einem ausgeklügelten System gedämmt wird.

Norbert Orth und sein Kollege Lorenz Leewen wissen ein beeindruckendes Beispiel zum Vergleich:1995 sei eine 11 000 Quadratmeter-Halle mit gedämmtem Boden mit einer ungedämmten 9 750 Quadratmeter-Halle verglichen worden. Im ersten Fall habe die jährliche Heizkosten-Rechnung nur 80 000 Euro betragen, im zweiten mehr als 490 000 Euro. In der gedämmten Halle konnten zudem zwei Millionen Kilogramm Kohlendioxidausstoß eingespart werden. „Bei einem normalen Zweifamilienhaus käme man da auf etwa 5 000 Kilo im Jahr“, sagt Orth.

Orth und Leewen reisen nun durch Deutschland und suchen Bauherren, die sich von ihnen kostenlos beraten lassen, die Ideen des „Effizienzhauses Plus“ beim Bau ihres Hauses umsetzen und ein Monitoring über die Verbrauchs-Werte als Feldtest zulassen. Zusatzkosten würden dadurch nicht entstehen, sagen die beiden IfU-Berater. Der Bau des „Effizienshauses Plus“ koste nicht mehr, als jedes andere Haus. Drei Jahre lang wollen sie die Energiedaten von 250 „Effizienshäusern Plus“ miteinander vergleichen. Als kleines Bonbon bekommen die Bauherren zudem ein Webinterface NetBase BN Web und eine Smartphone Steuerung über Basic Pro Mobile für ihre Heizung geschenkt.

Erste Wohnhäuser nach dem Prinzip gibt es bereits im Hessischen. Dort wurden sogar Energieüberschüsse erwirtschaftet, die dann zurück ins Netz gespeist worden sind.

(Report Anzeigenblatt)