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Junge Flüchtlinge brauchen Job als letzte Möglichkeit, der Ausweisung zu entgehen
„Entweder ganz oder gar nicht“

Junge Flüchtlinge brauchen Job als letzte Möglichkeit, der Ausweisung zu entgehen: „Entweder ganz oder gar nicht“
Pate Armin Zandonella (stehend) hilft dem tadschikischen Jugendlichen Rajabali Satorov (rechts). Auch dessen Landsmann Izzatulloev Shafiuvlo braucht Unterstützung. Beide könnten einen Job gebrauchen. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Wenn jungen Flüchtlingen in Deutschland die Ausweisung droht, dann liegt das zumeist nicht an den örtlichen Behörden, sondern an der Gesetzgebung. Das sogenannte Dublin-Verfahren macht zur Zeit den beiden Tadschiken Rajabali Satorov und Izzatulloev Shafiuvlo das Leben schwer Von Ulrike Mooz

Rajabali Satorov hat schwere Zeiten hinter sich. Über Russland und Polen ist er nach Deutschland eingereist. Sein Vater ist in seinem Heimatland ermordet worden, Rajabali ist als Minderjähriger zudem auch noch Opfer einer Schlepperbande geworden. „Die Flüchtlinge sind oft schwer mehrfach traumatisiert“, sagt Olga Weinknecht, Fachbereichsleiterin Integration von Migranten bei der AWO. Oft hätten sie Schuldgefühle, weil sie ihre Familien zurück gelassen haben. Rajabalis Mutter hat kein Telefon. Über eine umständliche Benachrichtigungskette können sie nur einmal im Monat telefonieren. In Mönchengladbach ist er nach seiner langen Reise endlich ein bisschen zur Ruhe gekommen und hat über das Patenprojekt „Willkommen in Mönchengladbach“ in dem Paten Armin Zandonella einen wichtigen Unterstützer gefunden. Einen Beruf mit alten Menschen oder Jugendlichen kann er sich vorstellen.

Doch jetzt droht ihm die Ausweisung, denn Rajabali Satorov ist volljährig und dann greift bei ihm das so genannte Dublin-Verfahren, wonach Flüchtlinge dorthin ausgewiesen werden, wo sie das erste Mal aufgegriffen und erkennungsdienstlich behandelt wurden. Im Fall von Rajabali Satorov ist das Polen. Der junge Mann, der schon ein bisschen Deutsch kann, möchte nicht nach Polen, er würde gerne hierbleiben und zum Beispiel in der Altenpflege arbeiten. „Unsere Gesetzgebung muss geändert werden, die Politik muss etwas tun“, findet Olga Weinknecht. „Bei uns werden händeringend Auszubildende in dem Bereich gesucht und gleichzeitig schieben wir sie ab“. Für solche Fälle gebe es nichtmal eine Sonderregelung.

Pate Zandonella, von Beruf Sozialarbeiter, hofft darauf, dass Rajabali vielleicht, wenn er einen Job über den Bundesfreiwilligendienst bekäme und Zandonella ihm ein Zimmer miete, das er vom Taschengeld des Bundesfreiwilligendienstes (maximal 363 Euromonatlich) bezahlen könnte, vielleicht doch noch bleiben könnte. Armin Zandonella möchte für ihn ein Arbeitsvisum beantragen. Für den Jugendlichen steht trotzdem erstmal eine Reise nach Polen an, auf der ihn Armin Zandonella begleiten will. „Ein bisschen helfen geht nicht. Entweder ganz oder gar nicht“, findet er.

Zimmergenosse Izzatulloev Shafiuvlo hat das gleiche Problem. Der Pädagogikstudent aus Tadschikistan ist in seiner Heimat verfolgt worden, weil er politisch in der Opposition gearbeitet hat. Auch er hat schon eine Odyssee durch halb Europa hinter sich. Mit Schrecken erinnert er sich daran, dass er in Belgien gezwungen war, auf der Straße zu leben. Dass Shafiuvlo schon 24 ist, macht die Sache noch schwieriger. Altersmäßig passt er nicht in das Patenschaftsprojekt von AWO und der Arbeitsstelle für interkulturelle Bildung und Integration, deshalb hat sich Olga Weinknecht selbst seiner angenommen. „Ich kann so jemanden nicht abweisen“, sagt sie. Auch ihm könnte ein Job weiterhelfen.

(Report Anzeigenblatt)