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An einem Teilstück der Roermonder Straße wird gebaut/ Geschäftsleute tun sich zusammen
„Hoffentlich halten die Kunden durch“

An einem Teilstück der Roermonder Straße wird gebaut/ Geschäftsleute tun sich zusammen: „Hoffentlich halten die Kunden durch“
Sie sehen der langen Baustellenzeit vor ihrer Tür mit gemischten Gefühlen entgegen: Frisörin Claudia Bex, das Ehepaar Harry Müller vom gleichnamigen Hausgeräte-Center, Margarete Dopierela von der Lotto-Toto-Annahmestelle, Lena Loontiens, LVM Versicherung, Andrea Prochaska, Inhaberin der Sonnenapotheke und Jun-Ja Choi vom Grillparadies (v.l.). FOTO: Andreas Baum
Venn (um). An einem Teilstück der Roermonder Straße macht sich der Einzelhandel Sorgen. Mit gemischten Gefühlen sehen die Geschäftsleute einer zweijährigen Baustellenzeit direkt vor ihren Ladentüren entgegen. Von Ulrike Mooz

Wer stadtauswärts an die Kreuzung Roermonder Straße/Nicodemstraße heran fährt, wird neuerdings abrupt ausgebremst und per Umleitung um das Teilstück bis zur Hensen-Brauerei herum geleitet. Dass man noch bis zur Baustelle durchfahren kann, lesen die meisten Autofahrer aus dem Schild „Anlieger bis zur Baustelle frei“ nicht heraus. „Nur wenige sagen sich ’ich habe ja ein Anliegen’ und fahren durch“, sagt Claudia Bex, Inhaberin des gleichnamigen Frisörsalons an der Roermonder Straße 123. Sie hat „Glück“, ihre Kunden rufen vorher an, um einen Termin zu machen und werden bei der Gelegenheit gleich auf die chaotische Situation vorbereitet.

Anders ist es bei Andrea Prochaska, Inhaberin der „Sonnenapotheke“: „Von 60 bis 90 Kunden an einem normalen Samstag, kommen jetzt nur noch 30“, sagt die Apothekerin. Sie habe schon schlaflose Nächte verbracht, fürchte nach 20 Jahren um ihre Existenz. Bei Nachbarin Jun-Ja Choi, die den asiatischen Imbiss „Choi Sun-Gue Grillparadies“ führt, sieht es nicht besser aus. „50 Prozent der Kunden sind schon weg, wir haben keine Chance“, befürchtet sie. Sie hätten keinen Lieferservice, ihre Kunden kämen alle mit dem Auto. Margarete Dopierela von der Lotto-Toto-Annahmestelle gegenüber spürt die Baustelle auch jetzt nach einer Woche schon deutlich. „Es ist viel ruhiger, als sonst“, sagt sie.

Auf eine kleine Verbesserung hoffen die Geschäftsleute, seit sie am Mittwochmorgen ein Treffen mit Ordnungsamt und NEW hatten. Das Gespräch sei verständnisvoll gewesen, man habe Hinweisschilder für die Parkplätze an der Unteren Straße und an der Quellstraße zugesichert - immerhin. Und statt „Anlieger frei“, soll demnächst „Durchfahrt zu den Geschäften frei“ zu lesen sein. Allerdings gab es auch die schlechte Nachricht, dass die Kanalarbeiten sich über zwei Jahre ziehen werden. Schon jetzt hat Jun-Ja Choi die schlimmsten Befürchtungen für die Sommerferien 2016, denn dann wird die Straße für sechs Wochen komplett gesperrt.

Vor dem Treffen tröpfelten die Nachrichten spärlich. Einige hatten Benachrichtigungen von der Stadt bekommen, andere nicht. Die Konsequenzen waren allen nicht klar. Die wildesten Gerüchte gingen rum. „Meine Kunden waren zum Teil besser informiert, als ich“, sagt Andrea Prochaska., die sich ärgert, dass das persönliche Gespräch mit Stadt und NEW nicht schon vor Monaten stattgefunden hat - rechtzeitig, um alle Kunden zu informieren und sich Strategien zu überlegen, wie man mit der Situation umgehen soll. „Zwei Jahre, das ist lang. Hoffentlich halten die Kunden durch“, sagt sie. Dass sie sich so die Informationen beschaffen mussten und die Stadt nicht von selbst auf sie zu gekommen sei, findet sie nicht richtig. In ihrem Büro warten schon zwei Kisten Flugblätter mit Info zur Parksituation und Baustellen-Aktionen darauf, verteilt zu werden.

Als Idee schwebt den Geschäftsleuten vor, eine Interessengemeinschaft zu gründen, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen und dafür zu sorgen, dass ihr Stück Straße nicht in Vergessenheit gerät.

(Report Anzeigenblatt)