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„Ich verkaufe nichts!“

„Ich verkaufe nichts!“
Ernst Busch ist IHK-zertifizierter Generationenberater. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Ernst Busch hat als erster in Mönchengladbach die IHK-Zertifizierung zum Generationenberater. Der frühere Bankkaufmann, Betriebswirt und Versicherungsfachmann verkauft jetzt nichts mehr - außer seinen Ratschlägen. Von Ulrike Mooz

Eigentlich könnte sich Ernst Busch in seinem wohlverdienten Ruhestand zurücklehnen, im Garten arbeiten oder auf Reisen gehen - wie andere Rentner das so tun. Aber das ist ihm zu wenig. „Ich möchte noch im Volk bleiben, es macht mir Spaß, mit Leuten umzugehen“, sagt er.

Auf die Idee mit dem Generationenberater kam er, als die Schwiegermutter eines guten Freundes zum Pflegefall wurde und der Freund ihn in der Regelung all der bürokratischen Dinge, die in einem solchen Fall vonnöten sind, als Finanzfachmann um Hilfe bat. „Da habe ich gemerkt, dass ich für diesen speziellen Fall einiges nicht präsent hatte“, sagt Busch, der eigentlich dachte, nach 30 Jahren als Versicherungsmakler und der Kenntnis vieler Untiefen im privaten Bereich könne ihm so schnell keiner was vor machen. Ernst Busch beschloss, auf die Ausbildung als Bankkaufmann, das Studium zum Betriebswirt und die 30 Jahre als selbstständiger Versicherungsfachmann noch den Generationenberater bei der IHK drauf zu satteln.

„Die Idee des Generationenberaters ist aus der Erkenntnis entstanden, dass Menschen, die in der zweiten Hälfte ihres Lebens angekommen sind, sich mit zunehmendem Alter und Lebenserfahrung Gedanken über die eigene Vorsorge und die ihrer Angehörigen machen“, so Busch. Allerdings seien grundsätzliche Überlegungen zur Vorsorge ebenso wichtig für junge Familien und für Einzelpersonen.

Seither bekommt er von jenseits seines Besuchertisches alle Familientragödien erzählt, die seine Klienten so mit sich herumtragen. Von zerstrittenen Kindern, Sprösslingen, die man seit Jahren nicht gesehen hat, Enkeln, die man nicht kennt und alten Menschen, für die sich keiner mehr interessiert bekommt er zu hören. Und viele der Sorgen, die sich um die Geschichten ranken, könne man ausräumen, wenn man rechtzeitig Vorsorge - in medizinischer, rechtlicher, finanzieller und testamentarischer Hinsicht treffe, sagt Busch.

Dass er weder ein Rechtsberater sei, noch irgendwas zu verkaufen habe, außer seinen Ratschlägen, betont der 66-jährige vehement. Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Vermögenssicherung und Nachlassregelung sind die vier Hauptthemen, die Busch mit seinen Kunden beackert. Kleine Tipps, wie der, dass man eine Vollmacht auch im Internet downloaden kann und beim Notar nur die Unterschrift für ein paar Euro beglaubigen lässt, gehören bei ihm dazu. „Mitunter muss ich den Leuten auch ein bisschen Angst machen, damit sie endlich in Angriff nehmen, was schon lange herum liegt“, sagt er. Plötzliche Krankheiten oder Todesfälle ereilten ja schließlich „immer nur die anderen“, fügt er augenzwinkernd hinzu.

(Report Anzeigenblatt)