| 14.23 Uhr

„Kraft spielt keine Rolle“

„Kraft spielt keine Rolle“
Monika Kirsch demonstriert wie man sich mit Kenpo erfolgreich gegen Angreifer zur Wehr setzen kann. FOTO: Kellys Grammatikou
Mönchengladbach. Die Ereignisse von Köln beschäftigen nicht nur die Medien sondern auch die Menschen. Vor allem Frauen fühlen sich verunsichert und verängstigt. Und mit der „Armlänge Abstand“ ist es sicher nicht getan. Dass Frauen sich aber in einer Notsituation trotzdem effektiv verteidigen können, das weiß Monika Kirsch, Braungurtträgerin im Kenpo. Von Kellys Grammatikou

Die genaue Zahl der sexuellen Übergriffe und Überfälle in der Silvesternacht auf Frauen in Köln, aber auch überall in Deutschland, sind noch nicht ganz klar. Klar ist aber: Viele Frauen sind seither verängstigt. Wie sollen sie mit einer Situation umgehen, in der sie von dem vermeintlich stärkeren Geschlecht in Bedrängnis gebracht werden?

Hier bieten sich vor allem Selbstverteidigungskurse für Frauen an. Eine, die dies nur bestätigen kann, ist Monika Kirsch. Sie selber praktiziert seit 2007 Kenpo und trägt mittlerweile den braunen Gürtel. Aus eigener Erfahrung kann sie einen Selbstverteidigungskurs für Frauen nur empfehlen. „Jede Frau kann sich vor solchen Übergriffen schützen. Kenpo ist da zum Beispiel eine gute Möglichkeit“, sagt sie. Details eines Kurses will sie nicht verraten, sagt aber „die Frau ist immer im Vorteil, wenn sie sich mit Verteidigung selbst schützen kann. Ich kann nur eins sagen: Kraft spielt hier keine entscheidende Rolle sondern nur Technik. Denn was für eine kleine Frau zum Erfolg führen kann, muss für eine Große nicht gelten. Kenpo passt sich dem Menschen an und nicht umgekehrt. Wer mich angreift, erlebt eine böse Überraschung“.

Darum ist für sie die Armlänge Abstand auch absolut absurd. „Mit Abscheu und Entsetzen verfolge ich täglich die Aussagen der betroffenen Frauen. Den Angreifer von seinem Vorhaben abzuhalten, in dem ich ihn auf Abstand halte, ist völlig aussichtslos.“ Aus ihrer Sicht ist selbstbewusstes Auftreten gepaart mit der Sicherheit guter Kenpo-Erfahrung eine sehr gute Chance, dass man solche Feiglinge von ihrem widerwärtigen Vorhaben abbringen kann.

„Kenpo lehrt schon in den ersten Stunden, meine Umgebung anders wahrzunehmen; ich bin mir ganz sicher, dass ich die Situation in Köln früh erkannt und mich nicht in diese Gefahr begeben hätte. Schon als Kenpo-Weissgurt lernt man, sich gegen die häufigsten Angriffstechniken zu verteidigen. Durch die vielen Wiederholungen lernt das Unterbewusstsein zu reagieren, ohne nachzudenken. Dies habe ich schon aus eigener Erfahrung zum Beispiel im Karneval erfolgreich erlebt“, weiß Monika Kirsch.

Und das Gute sei, jede Frau könne Kenpo erlernen und sich somit im Notfall effektiv selbst verteidigen. „Gerade in der heutigen Zeit finde ich es extrem wichtig, dass sich Frauen verteidigen können. Viele Frauen argumentieren damit, dass sie ja ihren Partner an der Seite hätten ... aber wirklich zu jeder Tag- und Nachtzeit? Überfälle passieren überall, selbst in der Nachbarschaft, wo man eine Pseudo-Sicherheit hat. Meine Ideal-Vorstellung wäre, dass in Schulen Selbstverteidigung angeboten würde.“

(Report Anzeigenblatt)