| 00.00 Uhr

Experte: Mehr als jede zweite Heizkostenabrechnung falsch, veraltete Heizsysteme, ungenaue Zähler
„Mich ärgert, dass keiner hilft“

Mönchengladbach (um). Was ist, wenn Mieter mit einer veralteten Heizung leben müssen, die vor Ende 1984 eingebaut wurde, wenn altertümliche Heizkostenverteiler immer noch nicht ausgetauscht wurden und Nebenkostenabrechnungen so gestaltet sind, dass keiner schlau daraus wird? Dann sollen Mieter sich wehren, sagt Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik. Von Ulrike Mooz

Vermieter, die sich in Sachen Versorgungstechnik nicht an die Regeln halten, sind Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik, ein Dorn im Auge. „Rund 70 Prozent aller Mieter haben unkorrekte Angaben in der Abrechnung“, so Poullie, der ständig als Experte für RTL, WDR und Extra-Tipp unterwegs ist. Den Wert hat er vom Bundesamt für Statistik. Besonders alte Leute und Menschen, die von Hartz IV leben müssen, täten ihm in solchen Fällen leid, so Poullie. Die Ausgaben für Heizung und Warmwasser seien in den letzten Jahren ohnehin um 43 Prozent gestiegen, während die Einkünfte nur um 17 Prozent nach oben gingen, weiß er aus einer Forsa-Statistik. Wenn dann auch noch die falsche Messtechnik dazu käme...

Seit Anfang 2014 sind nach Paragraf 6 der Heizkostenverordnung Vermieter verpflichtet, verbrauchsabhängig abzurechnen und nicht nur einfach durch die Anzahl von Haushalten und Personen zu teilen. Früher ging verschwenderisches Heizverhalten einzelner Mieter nämlich „auf Kosten des Hauses“. Energiesparer dagegen hatten das Nachsehen. Und manch einer merkt noch nicht einmal, wenn mit der Abrechnung was nicht stimmt, weil die meisten Werte dem Verbraucher sowieso böhmische Dörfer seien. 200 Kilowattstunden Gas (ohne Warmwasser) pro Quadratmeter zum Beispiel sei ziemlich viel, weiß Detlef Poullie. Um sich die Menge vorstellen zu können, müsse man einfach an zwei volle Putzeimer denken. Die Hälfte davon gälte als „wenig“ Verbrauch. Als Spitzenwert gelte der Verbrauch von 60 Kilowattstunden, also etwas mehr als ein halber Eimer pro Quadratmeter und ein Passivhaus könne sogar auf ein Zehntel Eimer kommen. Der Durchschnittsverbrauch, so Poullie läge bei 143,3 Kilowattstunden.

Um korrekt abrechnen zu können, seien zeitgemäße und richtig platzierte Heizkostenverteiler, die kleinen Messröhrchen am Heizkörper, vonnöten. Doch trotz unmissverständlicher Gesetzeslage hätten viele Vermieter nicht reagiert, scheuten offenbar die 20-Euro-Investition für moderne Heizkostenverteiler, die elektronisch und funkbasierend arbeiten. „Vor 1981 installierte Geräte, die nach dem Verdunstungsprinzip arbeiten, sind seit 1. Januar 2014 nicht mehr zulässig“, so Poullie, denn die seien nach alter Norm auf einer Bauhöhe von 50 Zentimetern montiert. So ermittelte Heizkostenabrechnungen seien angreifbar und könnten von den Mietern gemäß Paragraf 12 Absatz 1 der Heizkostenverordnung um 1

5 Prozent gekürzt werden.

Auch mehr als 30 Jahre alte Heizungsanlagen müssen erneuert werden. Heizkessel, die vor Ende 1984 eingebaut wurden, dürfen ab 2015 nicht mehr betrieben werden. Ausnahmen, so der Experte, gelten nur für Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, wenn diese am 1. Februar 2002 in den Häusern mindestens eine Wohnung selbst genutzt haben.

Und last but not least ändert sich am 1. Januar auch das Eichgesetz. Wenn der Zähler älter als sechs Jahre sei, müsse er erneuert werden, so Poullie. Die Leute wüssten oft gar nicht, was die ganzen Zahlen außen auf dem Zähler bedeuten. „Mich ärgert, dass keiner den Leuten hilft“, sagt Detlef Poullie. Auf einer der Plaketten auf den Zählern könne man eine Jahreszahl finden und die dürfe nicht älter als sechs Jahre sein.

(Report Anzeigenblatt)