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Ausstellung zu Schriftsteller Heinrich Lersch im Museum Schloss Rheydt
„...und wenn wir sterben müssen!“

Ausstellung zu Schriftsteller Heinrich Lersch im Museum Schloss Rheydt: „...und wenn wir sterben müssen!“
Martin Lersch, Enkel von Heinrich Lersch und Kurator der Ausstellung, Kulturdezernent Dr. Gert Fischer und Dr. Karlheinz Wiegmann, Leiter des Museum Schloss Rheydt freuen sich auf die Ausstellung. FOTO: Sylvia Bradtmöller
Rheydt (bra). Vor 125 Jahren wurde der Schriftsteller und Dichter Heinrich Lersch in Mönchengladbach geboren. Das Museum Schloss Rheydt widmet dem gelernten Kesselschmied eine Ausstellung. Von Sylvia Bradtmöller

Thematisch fügt sich eine kleine Kabinett-Ausstellung zum Schriftsteller und Dichter Heinrich Lersch in die derzeitige laufende Reihe „100 Jahre erster Weltkrieg“ ein. Museumsdirektor Dr. Karlheinz Wiegmann erläutert den Hintergrund: „Hier wird nicht nur der Mensch Heinrich Lersch, ein Kind der Kriegszeit vorgestellt, auch mit der Frage: Wie sind die Menschen mit der Unvorstellbarkeit des Krieges umgegangen – wird sich beschäftigt“.

Der Titel der Ausstellung „...und wenn wir sterben müssen!“ bezieht sich auf das Gedicht Soldatenabschied, das Heinrich Lersch im Jahr 1914 in der Nacht vor seiner Einberufung in den Kriegsdienst in das Gebetbuch seiner Mutter schrieb. Mit Porträts, Bildern, Zeichnungen und Briefen wird dem Besucher ein Eindruck vom Leben des eigenwilligen Schriftstellers vermittelt. Der als Arbeiterdichter bekannt gewordene Lersch bezeichnete sich selbst als „Prolet von Gottes Gnaden“. Aufgewachsen mit einem despotischen Vater erlernte er wie seine vier Brüder den Beruf des Kesselschmieds im heimischen Betrieb im Stadtteil Hermges. Diese harte Lehrzeit hat ihn, der bereits als Kind kränklich und von schmächtiger Statur war, stark geprägt. In seinem bekannten Roman „Hammerschläge“ beschreibt er diese Zeit und die extremen Arbeitsbedingungen eindringlich. Stets von finanzieller Not bedrängt, wurde er in seinen Werken auch zum Streiter für die Arbeiter und Unterdrückten. Lersch ist mit seinen Gedichten und Büchern bis heute nicht unumstritten. Anfänglicher Hurra-Patriotismus wandelte sich durch das Erleben des ersten Weltkrieges in Ablehnung von Krieg. Jedoch erhoffte er sich in der NS-Zeit eine Revolution der Arbeiterklasse, war dort politisch aktiv, was bis heute kritisch betrachtet wird. Der an einer chronischen Lungenkrankheit leidende Dichter starb im Jahr 1936, erst 46-jährig, nach einem Sturz vom Fahrrad in Remagen. Enkelsohn Martin Lersch hat als Kurator die Ausstellungsstücke zusammengetragen und nach dem Prinzip „Liebevolles Chaos = Heinrich Lersch“ arrangiert. Der in Goch lebende bekannte Maler und Illustrator kennt den Großvater selbst nur aus Erzählungen der Familie, die einen facettenreichen Menschen, einen fanatischen Schreiber, mit vielen kreativen Freunden unterschiedlichster Natur zeichneten. Martin Lersch hat zur Ausstellung das Buch „Schreiben-Freunde-Familie: Heinrich Lersch 1889–1936“ herausgegeben, in dem die Beziehungen und Verbindung seines Großvaters zu Freunden und Bekannten wie Werner Gilles, Ernst Jansen-Winkeln und Otto Pankok aufgezeigt werden. Das lesenswerte, mit Bildern und Fotos ergänzte Buch ist an der Museumskasse für 19,90 Euro erhältlich.

(Report Anzeigenblatt)