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Die Jagdgenossenschaft hat die Stadt wegen einer Ordnungsverfügung verklagt
„Wahrscheinlich geht es um Politik“

Die Jagdgenossenschaft hat die Stadt wegen einer Ordnungsverfügung verklagt: „Wahrscheinlich geht es um Politik“
„Ich bin in dem Ganzen nur Zuschauerin“, sagt die Besitzerin dieses Grundstücks in Rönneter. Die Jagdgenossenschaft will nicht akzeptieren, dass hier nicht gejagt werden darf. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Am Mittwoch steht die Stadt Mönchengladbach in Düsseldorf vor Gericht. Die Jagdgenossenschaft hat sie verklagt, weil sie den Antrag einer Gladbacher Familie bewilligt hat, das Jagen auf ihrem Grundstück zu verbieten. Von Ulrike Mooz

Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf heißt es am Mittwoch um 11 Uhr Jagdgenossenschaft gegen die Stadt Mönchengladbach. Grund ist ein Stück Land in Rönneter, dessen Besitzerin nicht namentlich genannt werden möchte. Das Grundstück ist nur ein schmaler Streifen, etwa sechs bis sieben Meter breit, insgesamt 2 600 Quadratmeter groß und am „Kopf“- und „Fußende“ von viel begangenen und befahrenen Wirtschaftswegen gesäumt. Schon seit vielen Jahrzehnten ist das schmale Stück Land in Familienbesitz. Wozu ihre Vorfahren diesen Streifen seinerzeit gekauft haben, daran kann sich keiner mehr erinnern.

Den Besitzern des Grundstücks liegt der Tierschutz sehr am Herzen, die Jagd lehnen sie in jeder Form ab. Deshalb freuten sie sich, als im Juni 2012 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied, dass es eine unzumutbare Härte bedeutet, dass Grundstückseigentümer in Deutschland, die die Jagd ablehnen, mit der Zwangsmitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft einer unverhältnismäßigen Belastung ausgesetzt sind.

Die Grundstückbesitzerin stellte einen entsprechenden Antrag bei der Unteren Jagdbehörde der Stadt Mönchengladbach und am 17. März 2014, also genau vor einem Jahr, wurde das Grundstück, das zur Zeit von einem Bauern bewirtschaftet wird, aus der Bejagung per Ordnungsverfügung heraus genommen. Die Jagdgenossenschaft, die bis dato den schmalen Landstreifen als Teil ihrer Jagdfläche hatte, will das nicht hinnehmen und hat die Stadt verklagt.

„Ich bin in dem Ganzen nur Zuschauerin„, sagt die Besitzerin. Was genau die Jagdgenossenschaft auf dem Streifen Acker mitten zwischen Wohnhäusern und Spazierwegen jagen möchte, weiß sie nicht. „Wenn hier wirklich einer schießen würde, das wäre ja eine Katastrophe“, sagt sie und vermutet, dass es der Genossenschaft hauptsächlich ums Prinzip geht und die Klage gegen die Stadt politisch motiviert ist. Sie fühlt sich in der Sache in der Bürgerpflicht gegenüber den Tieren, die ihr Grundstück passieren. Wahrscheinlich hauptsächlich Feldhasen und Hauskatzen, vermutet sie.

(Report Anzeigenblatt)