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Extra-Tipp-Interview: Filmemacher Udo Peters dreht heute an der Hindenburgstraße den Thriller „Cappuccino“
„Wenn ich filme, lebe ich zu 300 Prozent“

Filmemacher Udo Peters macht heute das „Café Cappuccino“ an der Hindenburgstraße zum Drehort für den gleichnamigen Kurzfilm. Extra-Tipp hatte vorher Gelegenheit, mit ihm über das Filmemachen, das Thema Zivilcourage und die Gladbacher zu sprechen. Von Ulrike Mooz

Peters: Wir saßen hier im „Café Cappuccino“, wo mein Freund der Schauspieler Wolfgang Schlößer seinen Geburtstag gefeiert hat, als ich hinter mir den elektrischen Milchaufschäumer zischen hörte. Und plötzlich hatte ich eine Szene aus „Die toten Augen von London“ (von Edgar Wallace, Anm. d. Red.) vor mir. Wenn ich so ein Schlussbild vor meinem inneren Auge sehe, dann lässt es mich nicht mehr los und ich spinne eine Handlung, wie es zu diesem Bild gekommen ist.

Ja, das Thema hatte ich schon länger im Kopf. Und zu Wolfgang Schlößer, der sonst immer den Frauentyp mimt, habe ich direkt gesagt: ’Du spielst den Mörder’.

Ja, und ich habe richtig Bammel davor. Kameramann ist sonst Tobias Wienecke, aber der ist für eine Reportage unterwegs, so dass ich auch noch filmen muss. Ich mache das nicht gern alles auf einmal, man dreht sich dann so ein bisschen im eigenen Saft.

Ich drehe mit meiner Produktionsfirma „Ach nee TV“ Werbefilme, Making of-Produktionen und Musikvideos unter anderem für Internetauftritte. Die Kurzfilme wie jetzt „Cappuccino“ oder früher „Besser tot als nie“ kann man später als You Tube im Internet sehen. Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Film gut in den Schulunterricht, zum Beispiel in die Abschlussklasse einer Hauptschule passen würde. Ich würde gerne Leute ansprechen, die man sonst kaum erreichen kann. Ich hätte auch Lust, in einer Schule an einer Diskussionsrunde teilzunehmen oder etwas über den Film zu erzählen

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es geht um eine junge Journalistin, Brenda Thompson, gespielt von Antje Mies, die sich mit dem aus der Haft entlassenen Frauenmörder Karl Brettschneider, gespielt von Wolfgang Schlößer, zu einem Interview trifft. Dazu wählt sie das „Café Cappuccino“ aus, weil sie sich an einem öffentlichen Ort sicher wähnt. Natürlich wird das Ganze dann doch gefährlich. Und es geht darum, ob die Leute drumrum einfach wegsehen und sagen ’das geht mich nichts an’ oder sich einmischen. Wir haben tolle Szenen dabei. Ich wette, da würde Alfred Hitchcock Beifall klatschen. Aber in meinen Filmen werden nie Obszönitäten gezeigt - die sind alle nur Kopfkino. Schauspielerisch ist das Stück wirklich anspruchsvoll.

Nein, meine Produktionsfirma „Ach nee TV“ ist mein zweites Standbein. Mein Geld verdiene ich hauptsächlich mit dem Verkauf von Grabsteinprüfgeräten. Da habe ich vor vielen Jahren mal was erfunden. Werbefilme, Musikvideos und Showreels (Demobänder, mit denen sich Schauspieler bewerben, Anm. d. Red.) lasse ich mir natürlich bezahlen. Aber „Cappuccino“ produziere ich auf eigene Kosten. Das ganze Team arbeitet kostenlos. Sollte der Film am Ende aus irgendwelchen Gründen Geld einspielen, wird das gleichmäßig verteilt. Zur Finanzierung sind natürlich Sponsoren willkommen. Am Schluss gibt es ein Abschluss-Statement in der Gruppe. Dort könnten Sponsoren auch dabei sein.

Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist es das Thema, für das ich Aufmerksamkeit wecken möchte. Zum anderen ist es so, dass ich keine Kinder habe, denen ich meine Einstellung zu den Dingen nahe bringen kann, also drehe ich Filme. Es gibt so viele Probleme, die die Leute haben. Oft finden sie kein Gehör, weil ihre Stimmen nicht laut genug sind. Mit Filmen kann man da was erreichen. Außerdem bringt mir das Filmen richtig Freude - Spaß wäre das falsche Wort, aber Freude. Wenn ich filme, lebe ich zu 300 Prozent. 100 Prozent lebe ich sowieso, 100 Prozent im Team und nochmal 100 in der erzählten Geschichte.

Wolfgang Schlößer ist Gladbacher und ich bin vor Kurzem auch hier hin gezogen. Dass die Stadt so toll ist, war nicht der Grund - aber sie ist toll. Die Menschen wirken auf den ersten Blick alle so, als seien sie mit dem falschen Fuß aufgestanden, aber das ist nur im ersten Augenblick. Wenn die erste Hürde genommen ist, sind sie unheimlich sympathisch.

Wir freuen uns über Zuschauer - natürlich nur, wenn sie nicht rumgrölen und in die Kamera winken. Warum sollen nicht schon die Dreharbeiten zum Nachdenken anregen? Außerdem wird es einen Schwenk auf die Straße geben, wo dann hoffentlich auch ein paar Leute zu sehen sind.

(Report Anzeigenblatt)