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„Wieder einer gerettet“

„Wieder einer gerettet“
Achtung, lebendig! Wenn es im Karton piept, benötigt Gregor Froeschs ’Lieferung’ besondere Aufmerksamkeit. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Sachverstand, Herz und Netzwerk: So funktioniert Gregor Froeschs Einsatz in Sachen gefiederter Notfälle. Bei dem Rheydter Einzelhändler kommen immer wieder „lebendige Warenlieferungen“ an. Von Silvia Weise

„Ich kenn’ so was schon“, schildert Gregor Froesch eine Geschichte, wie sie immer wieder vorkommt: „Als ich morgens hier ankam und den Karton sah, wusste ich Bescheid.“ Denn: Pappkartons vor der Tür des Rheydter Einzelhändlers zeugen bisweilen von ’Warenlieferungen’ besonderer Art.

„Wenn Luftlöcher reingestochen sind, ist was Lebendiges drin“, berichtet Gregor Froesch vom jüngsten Vorfall: „Zwei Nymphensittiche diesmal. Hab’ ich beide behalten“, berichtet er vom Happy End für Spencer und Lucky in der heimischen Volière. „Klar schüttel’ ich jedes Mal wieder den Kopf“, so Gregor Froesch: „Andererseits, vor der Tür von Gregor Froesch ausgesetzt zu werden, ist Glück im Unglück“, schmunzelt er und wird gleich darauf ernst: „Viele Leute wissen, dass ich Vögel im Laden habe und was von den Tieren verstehe“, erklärt der zertifizierte Hobbyzüchter. „Und viele andere wissen eben nicht, wie man mit Vögeln als Haustier umgeht“, beobachtet er.

Er werde oft angerufen, bekomme Schicksale klassischer „Kinderzimmervögel“ geschildert: „Es heißt dann immer, das sind die Vögel von Bekannten“, sagt Gregor. „Genauer will ich es gar nicht wissen. Es reicht, wenn die Tiere vorbeigebracht werden“, erzählt er von einem unlängst als Notfall aufgenommenen Wellensittichpärchen und appelliert: „Leute, kauft für Kinder unter 14 keine Vögel!“ Sowieso gelte: „Einen Vogel allein zu halten, ist immer Tierquälerei. Und jeder sollte sehr gut überlegen, bevor er sich Tiere anschafft.“

Mit der Zeit ist Gregor Froeschs Geschäft zu einer Art Hauptquartier für gestrandete gefiederte Existenzen geworden. „Ich bin das Auffanglager“, zwinkert er. „Aber die Mission erfülle ich nicht allein“, beschreibt Gregor einen Kreis aus gleichfalls interessierten Freunden. „Ein Netzwerk von fünf Leuten. Seit Jahren hält keiner von uns mehr gekaufte Vögel – alles aufgenommene Tiere“, freut sich Gregor Froesch – auch Mitglied der Showtruppe ’Miparo & Friends’ – über ganz praktisches Unter-die-Fittiche-greifen wie auch im Fall der Kinderzimmer-Sittiche.

„Sind manchmal schon dolle Geschichten“, erzählt er von einer Kundin, die einen gelben Vogel gegen eine Fensterscheibe brettern sah: „Die dachte sich, ach, solche Vögel hat doch der Froesch in seinem Laden... Den bring’ ich ihm gleich mit“, lacht Gregor. Nach auskurierter leichter Gehirnerschütterung zog der Kanarienvogel in die Voliere eines Netzwerkfreundes um: „Wieder einer gerettet“, ist Froesch glücklich über die gelungene Aktion.

(StadtSpiegel)