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Neue EU-weite Lebensmittelkennzeichnungspflicht/ Verbraucherschützer sind skeptisch
„Wir werden das beobachten“

Neue EU-weite Lebensmittelkennzeichnungspflicht/ Verbraucherschützer sind skeptisch: „Wir werden das beobachten“
In Metzgereien, wo der Chef noch selbst die Rezeptur für die Würste bestimmt, ist es noch nie ein Problem gewesen, Auskunft über die Zutaten zu bekommen. In Zukunft müssen auch die Verkaufs-Angestellten von Filialisten auf Anfrage Auskunft geben können. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Am 13. Dezember hat sich die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel geändert. Die Verbraucher haben jetzt ein Recht auf genauere Angaben. Extra-Tipp sprach darüber mit der Verbraucherberatung NRW. Von Ulrike Mooz

„Kann Spuren von Nüssen enthalten“, Farbstoff E 150 d, Phosphorsäure... Das „Kleingedruckte“ auf der Lebensmittelpackung enthält oft Dinge, die der Verbraucher nicht in der Dose haben will. So manch einer hat aber vielleicht schonmal seine Brille nicht dabei gehabt und trotzdem gekauft, was er eigentlich nicht essen möchte oder darf. „Die Schrift muss jetzt eine Mindestgröße von 1,2 Millimetern haben“, sagt Isabelle Mühleisen, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherberatung NRW. Vorher gab es keine Größenvorschrift, das sei schonmal eine Verbesserung. Allergene müssen in Zukunft sogar extra optisch hervorgehoben werden.

Seit dem 13. Dezember gelten strengere EU-weite Vorschriften. Bundesernährungsminister Christian Schmidt, CDU, hält die Neuerungen „für einen Meilenstein für mehr Klarheit und Wahrheit“. Auch die Verbraucherberatung NRW begrüßt grundsätzlich die strengeren Vorgaben. Bei der Umsetzung ist sie allerdings in manchen Bereichen skeptisch. So muss zum Beispiel künftig auch bei unverpackter Ware auf kritische Bestandteile hingewiesen werden. Die Regierung hat dazu festgelegt, dass Bäcker, Metzger und Restaurants Kunden jetzt auch mündlich informieren können müssen. Zudem sollen sie eine schriftliche Dokumentation bereit halten, in der der Kunde die Bestandteile von Brötchen, Wurst und Co. selber kontrollieren können soll - auf Nachfrage. „Wir werden das kritisch beobachten“, sagt Verbraucherschützerin Isabelle Mühleisen. Denn eigentlich müssten die Angestellten an der Theke nun auch entsprechend geschult werden. Doch dazu gebe es keine Vorschrift.

Was sich auch ändert: Bei Fisch und Fleisch muss ab sofort das erste Einfrierdatum angegeben werden, bei „pflanzlichen Ölen die botanische Herkunft - zum Beispiel Rapsöl oder Palmöl, und so genannte Imitate müssen gekennzeichnet sein. Ein vermeintliches Fisch- oder Schweinefilet, das aus Fisch- oder Fleischstückchen zusammengefügt ist, muss auch so gekennzeichnet sein. Die Krux: Das Wort „Imitat“, sei nicht vorgeschrieben, so Mühlhausen. Das führe etwa beim Käseersatz auf der Pizza, dazu, dass nur die einzelnen Bestandteile des Imitats angegeben seien, der Verbraucher also um das Imitat als solches zu erkennen, seine Bestandteile wissen müsse. „Da hätten wir uns mehr Klarheit gewünscht“, sagt Expertin Isabelle Mühleisen.

Neu ist auch, dass all die Vorschriften - bis auf das Mindesthaltbarkeitsdatum - auch für Lebensmittel gilt, die im Internet verkauft werden.

(Report Anzeigenblatt)