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Alle vom gleichen Schlag

Alle vom gleichen Schlag
Eine jung gebliebene Gruppe: Fine Weuthen, Maria Pützschler, Hilde Brocker, Henny Kreuels, Marta Spärkel und Josi Kaldenbach (v. l.) kennen sich schon seit der Grundschule. FOTO: Andreas Baum
Eicken. Die sechs Mönchengladbacherinnen haben so einiges gemeinsam: alle sind sie 80 Jahre alt, lustig und noch gut in Schuss. Außerdem verbindet sie eine lange Freundschaft, die bis ins Jahr 1941 zurückreicht. Von Simone Krakau

Der Geräuschpegel vor der Haustür ist ziemlich hoch – mir wird schnell bewusst: das hier wird ganz sicher ein lustiger Kaffeeklatsch. Denn schon von draußen hört man, dass viel rumgealbert und jede Menge gelacht wird. Im Wohnzimmer erwarten mich dann bei Kaffee und Kuchen und einem Glas Sekt Fine Weuthen, Maria Pützschler, Hilde Brocker, Henny Kreuels, Marta Spärkel und Josi Kaldenbach. Alle sechs sind 80 Jahre alt und richtig gut in Schuss – eben eine durch und durch jung gebliebene Gruppe.

Das Besondere an diesen Frauen ist aber, dass sie eine lange Freundschaft verbindet. Kennengelernt haben sie sich in der 1. Klasse in der Grundschule Untereicken – das war 1941. Nach der Schule aber gingen sie getrennte Wege und der Kontakt brach ein wenig ab. "Wir haben uns zum Teil aus den Augen verloren", erzählt Josi Kaldenbach. "Aber das war ja ganz normal. Jeder hat sich ein eigenes Leben aufgebaut, Familie gegründet", ergänzt Marta Spärkel. Aneinander gedacht haben die Frauen aber immer. Umso toller, dass dann vor rund 30 Jahren endlich das erste Klassentreffen stattfand. "Das war im Café Rosenheim, dass weiß ich noch", sagt Fine Weuthen. Für alle war das Wiedersehen toll, aber besonders Hilde Brocker ging diese Begegnung sehr nah und tut es auch jetzt, nach so vielen Jahren, immer noch. "Ich weiß noch, dass ich wie ein Schlosshund geheult habe", sagt Brocker unter Tränen. Die Klassentreffen etablierten sich und wurden über die Jahre in regelmäßigen Abständen veranstaltet.

Mittlerweile treffen sich die sechs im Dreimonatstakt in einer Gaststätte in Eicken – quasi dort, wo 1941 alles begann. Sie aber sind der harte Kern, der übrig geblieben ist. "Anfangs waren wir natürlich eine größere Gruppe", erzählt Henny Kreuels. "Manche sind leider schon verstorben oder können aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei sein." Doch auch zu sechst haben sie sichtlich viel Spaß miteinander und haben sich bei jedem Treffen viel zu erzählen. "Wir sind eben alle vom gleichen Schlag", betont Kreuels.

Brocker trifft sich so gern mit ihren ehemaligen Klassenkameradinnen, dass sie sogar schon mal ihren Urlaub mit ihrem Ehemann für die Verabredungen abbricht. "Dabei sein ist alles – da muss mein Mann eben schon mal in den sauren Apfel beißen", lacht Brocker.

Für die Zukunft haben sie sich vorgenommen, die Treffen mindestens einmal im Monat zu veranstalten. "Dann können wir uns noch öfter zusammen über unser Alter freuen", sagt Maria Pützschler.

(Report Anzeigenblatt)