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Hilfsteam aus Deutschland stattete zahlreiche Männer, Frauen und Kinder in Indien mit Hörgeräten aus
Allen Strapazen zum Trotz

Mönchengladbach/Indien. Das „Medical Hearing Team“, bestehend aus der HNO-Fachärztin Hatice Gül El-Sharif, ihrem Ehemann und Physiotherapeuten Imad El-Sharif, den beiden Hörgeräteakustikmeistern Uwe und Christian Heckhuis sowie dem Vereinsvorsitzenden (e.V. Hilfe für Adimali) Sebastian Karthikapallil und seiner Ehefrau Gracy waren nun zum zweiten Mal unterwegs zu einer Hilfs-Aktion nach Indien. Von David Friederichs

Am 1. November um 9 Uhr ging es am Flughafen Düsseldorf los. Nach 24-stündiger Anreise mit Flug, sowie vierstündiger Autofahrt durch enge, holprige Dschungelstraßen, war das „Medical Hearing Team“, dem auch Uwe und Christian Heckhuis, Geschäftsführer der „gut hören Lingen GmbH“, die auch eine Filiale in Mönchengladbach besitzt, angehörten (der Extra-Tipp berichtete), übermüdet am Nachmittag in der Kleinstadt Adimali angekommen. Nach der notdürftigen Unterbringung in einem „Home Stay“, einer einfachen kleinen Pension, richteten sie sich mit ihren medizinischen Instrumenten und Geräten im Morningstar Hospital ein. Zahlreiche Patienten warteten bereits auf ihre Hilfe. Sofort nach Ankunft wurden bis in die späten Abendstunden Hilfsbedürftige HNO-fachärztlich untersucht und behandelt. Zahlreiche audiologische Messungen und erste Hörgeräteanpassungen waren die Folge. An den folgenden Tagen konnten an der ersten Station in Adimali bereits 251 Patienten medizinisch untersucht, 180 Hörtests und 143 Hörgeräteversorgungen durchgeführt werden.

Die Schicksale der Menschen, ihre Armut und grenzenlose Dankbarkeit ging dem Team sehr zu Herzen. Neben der extremen physischen Belastung stellten diese Tage stets eine emotionale Herausforderung für die Helfer dar.

Nach dem Aufenthalt in Adimali ging es mit dem gesamten Team durch den Urwald. Auf schlecht befahrbaren Wegen führte der Weg auch an riesigen Teeplantagen vorbei zum Vijayapuram Social Service Society (VSSS) in Munnar. Hier bestanden die Patienten vorwiegend aus Teepflückern und Landarbeitern. Sofort begann die Versorgung der weit angereisten, bereits sehr zahlreich erschienen Patienten. Immer wieder musste die Arbeit wegen widriger Umstände unterbrochen werden. Zeitweise war kein Strom vorhanden, um die empfindlichen Untersuchungsgeräte zu betreiben, wichtige Geräte fielen aus. Die Helfer mussten permanent improvisieren. Es fehlte grundsätzlich an ausreichender Beleuchtung. Abenteuerlichste Konstruktionen wurden zusammengebastelt, um ein wenig Licht an den Arbeitsplatz zu bekommen. Auch hier ergaben sich wieder etliche, emotional sehr bewegende Momente. Manche Patienten bekamen die Möglichkeit, durch wiedererlangte Hörfähigkeit Arbeit zu finden, um ihre Existenz zu sichern. Oder Kinder, die wieder am Schulunterricht teilnehmen konnten, weinten vor Freude und Dankbarkeit.

Die nächste Aufgabe erwarte das Team in dem kleinen Örtchen Marajoor. Ein Geländewagen rüttelte das Team auf engen Wegen mit tiefen Schlaglöchern durch eine beeindruckende gebirgige Landschaft, vorbei am höchsten Berg von Kerala zu einem von den Nonnen-Sisters of Nazareth geführten Kinderheim.

Beeindruckende Wasserfälle, Palmenplantagen, Teeplantagen und Sandelholzwälder begleiteten die Fahrt ebenso, wie ein flaues Gefühl über den Zustand des Geländewagens, des Wegezustandes und der unerschrockenen Fahrkünste des Chauffeurs.

Dennoch gesund angekommen, war das Team hier von der Außenwelt nahezu abgeschlossen. Einige Räume waren bereits provisorisch und liebevoll vorbereitet. Eine große Anzahl von Patienten wartete draußen vor der Tür. Viele Kinder erfuhren durch ein individuelles Hörsystem zum ersten Mal, wie es ist, etwas zu hören. Völlig fassungslose und unendlich erstaunte Gesichter entschädigten die Helfer für alle Strapazen der Reise.

Die letzte Station war in Kutikanaam, einem Urwald-Dorf auf rund 1500 Meter Höhe. Auf der nächtlichen Fahrt traf der Jeep unerwartet auf eine wilde Elefantenfamilie. Der Leitbulle empfand den Wagen als Bedrohung für seine Herde und kam mit weit abstehenden Ohren und grollenden Drohlauten auf das Expeditionsteam zu. Nur der schnellen und erfahrenen Reaktion des Fahrers war es zu verdanken, dass ein Angriff abgewendet werden konnte.

Die kleine Sozialstation in Kutikanaam wurde von den Mitarbeitern der VSSS mitbetreut. Dem „Medical Hearing Team“ wurden neue Personen zur Unterstützung und Übersetzung zur Seite gestellt. Nach einer sehr schnellen Einarbeitung, in ebenfalls provisorisch eingerichteten, schlecht ausgeleuchteten Räumlichkeiten, konnte auch hier eine Vielzahl an Frauen, Männer und Kinder behandelt und versorgt werden.

Fazit des Hilfseinsatzes: An vier verschiedenen Einsatzorten konnten 712 Patienten medizinisch behandelt, 382 Hörtests und 336 Hörgeräteversorgungen durchgeführt werden. Ein großer Dank geht dabei auch an die Mönchengladbacher Bürger, die zahlreiche ihrer Altgeräte zur Verfügung gestellt hatten und damit vielen Menschen in Indien ein „lauteres“ Leben ermöglichten.

(Report Anzeigenblatt)