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Alles Käse oder Pippi?

Alles Käse oder Pippi?
Lieblingsbücher gefunden: (v.l.) Marei Vittinghoff mit den „Wilden Hühnern“, war früher selbst als wildes Huhn „Sprotte“ unterwegs, Yvonne Simeonidis mit „Dolly“, „weil die im coolsten Internat war“ und Ulrike Mooz hat alle alten Fälle der „Drei Fragezeichen“ gelöst. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um/ysl/mv). Buchmesse und Tag des Kinderbuches – wenn das kein Grund ist, einen Blick in die Kinderabteilung der Zentralbibliothek zu werfen. Mit den Redakteurinnen Ulrike Mooz und Yvonne Simeonidis und der Praktikantin Marei Vittinghoff haben sich gleich drei Lesegenerationen auf die Suche nach Pippi Langstrumpf, Fünf Freunden und Co. gemacht. Haben die alten Klassiker noch Fans? Von Ulrike Mooz

Ein kleines Mädchen sitzt auf den bunten Sitzpolstern in der Kinderecke der Zentralbibliothek und ist in ihr Buch vertieft. Sie ist zehn und hat kaum Augen und Ohren für anderes als Band elf von "Gregs Tagebuch – Alles Käse" von Jeff Kinney. "Voll im Trend", sagt Ursula Schmidt-Coenen, in der Zentralbibliothek verantwortlich für die

Kinderbuchabteilung. Der Welterfolg aus einer Kombination von kurzen Textabschnitten und comicähnlicher Illustration sei genau das, was Kinder heute lesen wollen.

Unschlagbares Ausnahmephänomen: Harry Potter, der auch nach Jahren noch ein Renner in eigentlich kurzlebigen Zeiten ist. Sowas habe es aber danach nicht mehr gegeben, sagt die Bibliothekarin.
"Die Zeiten haben sich geändert, die mediale Konkurrenz ist groß", weiß auch Bibliotheksleiterin Brigitte Behrendt, kurz knackig und übersichtlich habe als einziges eine Chance gegen Fernsehen, Tablet und Smartphone. "Und vor allem zählt der Spaß."
Um die Kids überhaupt ans Buch zu kriegen, müssen Bibliotheken mit Aktionen wie Sommerleseclub einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Immerhin haben so mehr als 13 800 Mönchengladbacher Nachwuchsleser in zehn Jahren stolze 80 000 Bücher geschmökert.
Und was ist aus Lieblingsbüchern wie Pippi Langstrumpf, den wilden Hühnern, Dolly, Bullerbü und den Drei Fragenzeichen geworden? Ein Griff ins Regal, und da sind sie, die Reißer von damals unter der Bettdecke. Die Drei Fragezeichen haben sogar den Sprung in die Neuzeit geschafft. "SMS aus dem Grab" heißt Band 129 und Justus, Peter und Bob sind inzwischen erwachsen.
"Auch die alten Bände werden noch gelesen - wenn es Verfilmungen gibt oder auf Empfehlung der Eltern", sagt Ursula Schmidt-Coenen. Was allerdings überhaupt nicht mehr läuft, ist Lesestoff, der noch eine Generation mehr auf dem Buckel hat, wie Trotzkopf, Nesthäkchen und die endlosen Bände von Karl May. "Kein Wunder"; findet Bibliotheksleiterin Behrendt, "haben Sie in der letzten Zeit mal einen Blick in Winnetou geworfen? Das geht gar nicht mehr - trotz Neuverfilmung."
Und bis auf die unverwüstlichen und immer wieder verfilmten Klassiker von Dornröschen bis zum tapferen Schneiderlein, sind auch Märchen weitgehend in Vergessenheit geraten. Aber die seien ursprünglich ohnehin eher für Erwachsene gedacht gewesen.
Nach der Vampir- und Drachenphase gehen bei Mädchen jetzt vor allem Einhörner, Zauberpferde und Feen. "Die haben die klassischen Pferdebücher abgelöst", sagt Ursula Schmidt-Coenen. Bei Jungens zählen eher Sport, Spannung und auch schonmal ein Sachbuch.

(Report Anzeigenblatt)