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Als Nikolaus erfüllt er sein Gelübde

Als Nikolaus  erfüllt er sein Gelübde
Nikolaus Hubert Schüler in seinem Element und mit Felix Oberem auf dem Arm. FOTO: Erich Oberem
Mönchengladbach. Seit 65 Jahren verkörpert Hubert Schüler aus Hockstein den Nikolaus. Eine intensive Verbindung, die jetzt ein eisernes Jubiläum feiert. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen. Von Franz Josef Ungerechts

Hubert Schüler, das weiß man in Mönchengladbach und weit darüber hinaus, ist der Nikolaus; oder, und davon ist der 80-jährige Hocksteiner zutiefst überzeugt, er ist einer der Menschen, die dem Heiligen Mann helfen dürfen. Heute, am 6. Dezember, ist er im 65. Jahr ununterbrochen als Nikolausdarsteller unterwegs.

Im März dieses Jahres feierte Hubert Schüler seinen 80. Geburtstag. Seine Passion für die sakrale Textilkunst sowie sein Einsatz für das historische St. Nikolaus-Brauchtum prägten sein bisheriges Leben. So ist es für ihn selbstverständlich, auch in diesen ersten Adventstagen wieder den heiligen Bischof Nikolaus darzustellen und zwar in einem von ihm persönlich kreierten und in Handarbeit angefertigten prächtigen Bischofsornat.

Wenn man Hubert Schüler als St. Nikolaus erlebt und vor allem erzählen hört, erahnt man, dass er nicht nur in die Gewänder des Bischofs schlüpft sondern sich auch mit der Person des heiligen. Mannes identifiziert. Dabei begann alles zunächst aus alter Familientradition heraus. Als 15-jähriger Ministrant hatte er im Jahre 1950 als Nachfolger seines Onkels den ersten Nikolaus-Auftritt im Katholischen Kindergarten seiner Heimatgemeinde Mainz-Dreist. Und die Freude an der Darstellung von Sankt Nikolaus hielt viele Jahre. Der studierte Sakristan besuchte als "Bischof der Herzen", wie er St. Nikolaus nennt, an seinen Arbeitsstätten in Krefeld und in Mönchengladbach (St. Marien Rheydt) Kindergärten, Schulen, Seniorenheime und Krankenstationen.

1984 erkrankte Hubert Schüler an Krebs. Eine besonders schwere Form dieser Krankheit, die den Kirchenmann befallen hatte. Er schwebte zwischen Leben und Tod. Die Ärzte in Krefeld hatten den gerade 49-jährigen aufgegeben. In dieser Not und in tiefster Verzweiflung legte Hubert Schüler sein Gelübde ab: "Wenn ich sterben muss, lieber Nikolaus, dann sorge bitte für die Meinen. Sollte ich aber weiter leben dürfen, werde ich so lange ich kann für Dich da sein!" Wie durch ein Wunder überlebte Hubert Schüler die Krankheit und war fortan nicht mehr einer von diversen Nikolaus-Darstellern, sondern er ist überzeugt davon, dass, wenn er sein kostbares Gewand überzieht, aus seinem Munde der Bischof St. Nikolaus spricht, der im 4. Jahrhundert in Myra, der heutigen Türkei lebte und durch sein Leben und Wirken die frohe Botschaft des Evangeliums vorlebte. Hubert Schüler: "Es ist das älteste christliche Brauchtum und wird seit Jahrhunderten gepflegt. Die Verehrung des heiligen Nikolaus von Myra ist tief in unserem Brauchtum verwurzelt und hat nicht nur im Orient sondern auch in Europa, besonders bei uns in Deutschland, Heimat gefunden."  

Seit 65 Jahren ist Hubert Schüler nun schon Botschafter dieses heiligen Bischofs und er geht unbeirrt und gerne seinen bisherigen Weg weiter, für den er kein Honorar erhält, allerdings nimmt der Nikolaus gerne freiwillige Spenden für die Krebshilfe entgegen. Ganz im Sinne "seines Heiligen", dem Kommerz und Konsum fremd waren.

2007 hatte Hubert Schüler bei einem Besuch des Bezirksverbandes der hiesigen Schützenbruderschaften einmal die "weihnachtsmannfreie Zone" ausgerufen. "Der Weihnachtsmann", so argumentierte er, "ist eine Kunstfigur; eine Erfindung der Werbung. Der Nikolaus dagegen ist ein Heiliger und ein Nothelfer. Er ist der Schutzpatron der Kinder, Schüler und Schiffsleute und er ruft dazu auf, Gutes zu tun, an den Nächsten zu denken, und Freude zu schenken!"