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Im AWO-Patenschaftsprojekt helfen Ehrenamtler Flüchtlingskindern/ Es werden noch Paten gesucht
Arbeit, die selten gezeigt wird

Im AWO-Patenschaftsprojekt helfen Ehrenamtler Flüchtlingskindern/ Es werden noch Paten gesucht: Arbeit, die selten gezeigt wird
Die meisten sind motiviert, fleißig, interessiert: „Die“ Flüchtlinge gebe es nicht, sagt Olga Weinknecht (2.v.l.), „das sind alles einzelne Menschen, die oft einen langen Leidensweg hinter sich haben.“ FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). 70 Paten und 30 Helfer unterstützen Kinder und Jugendliche im Rahmen des AWO-Projektes „Willkommen in Mönchengladbach“ - das sind viele, aber nicht genug. Denn unter den Neuankömmlingen hat sich inzwischen rumgesprochen, dass es bei der AWO Hilfe gibt. Von Ulrike Mooz

Manchmal ärgert sich Olga Weinknecht, Fachbereichsleiterin Integration von Migranten bei der AWO, über das, was sie über Flüchtlinge in der Zeitung liest. „Da wird unheimlich viel Negatives geschrieben“, sagt sie, und über die vielen Erfolge würde meistens niemand reden. Zum Beispiel über das, was die 70 Paten und 30 Helfer, die im Rahmen des Drei-Jahres-Projektes „Willkommen in Mönchengladbach“ für Flüchtlingskinder und zum Teil auch deren Eltern leisten. Olga Weinknecht kennt alle ihre Geschichten und viele davon sind so positive Beispiele für gelungene Integration, dass man sie manchmal kaum glauben mag. Zum Beispiel Laiba Pervaiz aus Pakistan, die seit eineinhalb Jahren hier ist und keine Mühe hat, im Franz-Meyers-Gymnasium mit den deutschen Klassenkameraden Schritt zu halten. Geholfen hat ihr Gisela Post. Oder Sarah Dakhel, die mit Mutter Ranyah Souda und Vater Louai Dakhel vor acht Monaten aus dem syrische Aleppo geflüchtet ist. Alle drei haben in den wenigen Monaten gelernt, fließend Deutsch zu sprechen, Sarah sogar fast akzentfrei. Sarah geht in die achte Klasse der Realschule an der Niers und hat längst Freundinnen gefunden. Auch das nicht zuletzt durch die Mithilfe der Patin Sieglinde Purrio. „Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, die Stadt zu erklären“, sagt Dörte Springorum-Kölfen, zum Beispiel zu zeigen wie man die Bücherei nutzt oder die Musikschule. Sie ist die Patin der zehnjährigen Polin Weronika Przybylak, aber sie hat nicht nur ihr gezeigt, wo sie turnen kann, sondern auch ihrer großen Schwester Michalina, 13, geholfen, einen geeigneten Tanzverein zu finden.

„Zuwanderer sind nicht nur Flüchtlinge aus Kriegsgebieten, sie kommen auch aus Europa“, sagt Olga Weinknecht. Wirtschaftskrisen wie in Bulgarien, Rumänien, Polen, Spanien, Griechenland würde die Menschen dazu zwingen, ihr Land zu verlassen. „Wir unterscheiden nicht nach Armutsflüchtlingen oder politischen Flüchtlingen“, so Weinknecht, das seien alles Menschen - Kinder, die Unterstützung brauchen.

Die 70 Paten der AWO haben für ihre Schützlinge ganze Arbeit geleistet, aber die Flüchtlinge werden immer mehr. „Ich kann keinen abweisen“, sagt Olga Weinknecht. Sie sucht weitere Ehrenamtler, die beim Deutsch lernen helfen und Jugendlichen zeigen, wie Mönchengladbach funktioniert. Über 20 Kinder und Jugendliche stehen zur Zeit auf der Warteliste. Da ist zum Beispiel Fadi Alajhras, 17, der mit Krücken auf Prothesen läuft, weil ihm beide Beine amputiert wurden. Er ist mit seiner Mutter erst vor zwei Wochen aus Syrien hier angekommen und braucht dringend Unterstützung.

(Report Anzeigenblatt)
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