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Auch Helfer brauchen Hilfe

Auch Helfer brauchen Hilfe
Dipl. pol. Martina Wasserloos-Strunk, Pfarrer Albrecht Fischer, Margit Gebhardt und Dr. Eva Mockel (v.l.) helfen Ehrenamtlern bei ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe. FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Die Phillipus Akademie des Evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss hat ein Programm zur Qualifizierung und Fortbildung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit herausgegeben. Von Yvonne Simeonidis

Im Laufe der Flüchtlingskrise sind viele Menschen über sich hinaus gewachsen. Unzählige Ehrenamtler opfern ihre Zeit und Kraft, um den Flüchtlingen die erste Zeit in Deutschland zu erleichtern. Dass man da auch an Grenzen stößt – seien sie praktischer, physischer oder psychischer Natur – ist ganz selbstverständlich.

Die Phillipus Akademie des Evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss organisiert und koordiniert Hilfsangebote für Flüchtlinge, aber eben auch Unterstützung für die vielen engagierten Ehrenamtler. Eben für jene hat die Akademie nun einen Flyer herausgegeben, der alle Angebote für die freiwilligen Helfer zusammenfasst.

„Die Bereitschaft zu helfen ist überall riesengroß“, betont Pfarrer Albrecht Fischer, der die Flüchtlingshilfe in Giesenkirchen koordiniert, „ich treffe ständig Menschen, die was können und das einbringen möchten.“ Doch jeder braucht zwischendurch einen Ort und ein Gegenüber, wo er über das sprechen kann, was ihn bewegt. „Deswegen haben wir schon vor längerer Zeit einen runden Tisch eingerichtet“, erklärt Dipl. pol. Martina Wasserloos-Strunk, Leiterin der Philippus-Akademie. Dort treffen sich Ehrenamtler aus dem Kirchenkreis zum Erfahrungsaustausch, zur Koordination von Angeboten und mehr.

Margit Gebhardt gibt Flüchtlingen Sprachunterricht und schult nun auch andere Ehrenamtliche, die Deutsch unterrichten wollen: „Wir sind die Feuerwehr, der Erste-Hilfe-Trupp. Bei unseren Sprachkursen geht es nicht um Zertifikate oder Abschlüsse. Wir machen Alltags-Crashkurse und das muss man interessierten Ehrenamtlern klar machen.“ Auch Dr. Eva Mockel, sie unterrichtet Flüchtlinge in der Friedenskirchengemeinde Eicken, betont: „Man geht mit dem Unterricht zurück zu den Wurzeln, nutzt teilweise Methoden aus der Grundschulpädagogik und ganz viel Gestik.“ Das muss man lernen, irgendwann gehe es aber in Fleisch und Blut über. „Ich wünsche mir manchmal, mein Körper würde nicht so viel erzählen“, lacht Dr. Eva Mockel.

Zu den Angeboten für angehende Sprachlehrer – für kleine und große Schüler – gesellen sich Vorträge, die darauf eingehen, wie man im Umgang mit Menschen anderer Kulturkreise Fettnäpfchen vermeidet. Gesellschaftspolitische Vorträge zur Zukunft unserer Gesellschaft, Informationen darüber, woran man Trauma und posttraumatische Belastungsstörungen erkennt und – ganz wichtig – zu Asylverfahren und rechtlichen Grundlagen stehen ebenfalls im Programm.

Unter dem Titel „Gewinnen und loslassen“ bietet Dipl. pol. Martina Wasserloos-Strunk „kollegiale Beratung“ an und geht auf die besonderen Herausforderungen der Flüchtlingsarbeit ein. „In der Arbeit mit den Flüchtlingen erlebt man viele Glücksmomente, aber auch Situationen, die einem noch lange nachhängen“, erklärt Martina Wasserlos-Strunk, „um all das besser verarbeiten zu können, haben wir unser Fortbildungsprogramm zusammengestellt.“

Selbstverständlich sind die Fortbildungen kostenlos und offen für alle Interessierten – unabhängig von ihrer Konfession. „Die Kirche, der Glaube, ist ein Haus mit vielen Türen“, erklärt Pfarrer Albrecht Fischer, „wir freuen uns über jeden, der helfen möchte, das kann für alle nur bereichernd sein.“

(Report Anzeigenblatt)