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Aus der Mitte der Gesellschaft

Aus der Mitte der Gesellschaft
Viele Cannabis-Konsumenten wissen nicht einmal, dass der THC-Gehalt eines Joints mitunter zehnmal so hoch ist, wie früher.
Mönchengladbach (um). Nicht viel Neues hat die Drogenberatung in ihrem Jahresbericht für 2015 zu berichten. Die Zahl der Jugendlichen, die Probleme mit der Droge Cannabis haben, nimmt zu. Von Ulrike Mooz

Die Klienten kommen von „ganz unten“, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft. Denn Achim Brasseler, Leiter der Drogenberatung Mönchengladbach, hat schon länger auch besorgte Eltern aus dem Mittelstand gegenüber sitzen, denen aufgefallen ist, dass ihre jugendlichen Sprösslinge sich anders verhalten, als früher. Über die Entwicklung in Mönchengladbach, bezogen auf das Jahr 2015, gaben am Mittwoch Achim Brasseler, Vereinsvorsitzende Nicole Wilms und Stellvertreterin Dörte Schall Auskunft.

„Unsere Arbeit teilt sich in vier Bereiche auf“, sagt Achim Brasseler: Neben der traditionellen Beratung für Menschen mit Mehrfachsüchten oder psychischen Störungen und dem Streetworkprojekt, das die Drogenberatung gemeinsam mit der Diakonie stemmt, bietet die Drogenberatung zusammen mit dem Landschaftsverband Rheinland ambulantes betreutes Wohnen an und engagiert sich mit Freizeit-Angeboten für Kinder und Jugendliche in der Prävention.

Seit 2005 hat die Zahl der Klienten um etwa 275 zugenommen und lag 2015 bei 1 181. „Da sind aber auch Rat suchende Eltern dabei“, sagt Brasseler, „wenn das alles Süchtige wären, wäre schlimm“.

Seit etwa fünf Jahren sind nicht mehr die „harten“ Drogen wie Heroin (die Zahl der Heroin-Konsumenten stagniert) im Fokus, sondern zunehmend Cannabis und Amphetamine. Und die Klienten werden immer jünger. So sind unter den Kunden der Drogenberatung auch bereits eine ganze Reihe 14- bis 17-jährige. „Cannabis ist sowas halb gesellschaftlich Akzeptiertes. Viele Eltern haben in ihrer Jugend auch mal an einem Joint gezogen und nehmen das Problem deshalb oft nicht ernst genug“, so Brasseler. Was die Konsumenten oft gar nicht wissen: Der THC-Gehalt ist heute in vielen Fällen zehnmal höher, als damals. „Die bei uns Rat suchen, sind in der Regel die, die Cannabis mit so einem hohen THC-Gehalt konsumieren“, so Brasseler, da sei es dann auch nicht mehr so einfach, mal eben aufzuhören.

Besonders stolz ist man bei der Drogenberatung auf 33 Süchtige, die es geschafft haben, abstinent zu werden. „Wenn das stabil bleibt, ein Traumergebnis“, so Brasseler.

(Report Anzeigenblatt)