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Bürokratie am Markt Rheydt

Rheydt. Das letzte Wochenende gab einen Vorgeschmack und deshalb warten wir sehnlichst darauf, bald wieder draußen unseren Kaffee oder unser Bier zu trinken. Manchmal trübt jedoch Bürokratie die Freude, wie bei Harald Gerstung, dem Gastronomen des „Ratskellers“ in Rheydt. Er hat Post von der Stadt bekommen. Von Klaus Schröder

An einem Stehtisch draußen vor der Tür beteuert der 64-Jährige, dass er keinen Ärger will, er hat ja viele Besucher aus Politik und Gesellschaft in seinem Lokal. Aber seine Außengastronomie mit den 96 Tischen möchte Gerstung gern mit Grünelementen vom Trubel auf dem Marktplatz abschirmen, der vor allem in den Abendstunden manchmal überhand nimmt. „Damit ich meinen Gästen einen kleinen Wohlfühlfaktor bieten kann.“ „Harald, da setz’ ich mich nicht hin, das ist mir zu rummelig“, hat ein Freund zu ihm gesagt. Also bat Gerstung die Stadt, sie solle vorschlagen, was genehm ist, er bezahle.

Doch der leitende Stadtbaudirektor Juergen Beckmann verweist in seinem Antwort-Schreiben knapp auf die Gestaltungsrichtlinie, die der Stadtrat im letzten Dezember verabschiedet hat: „Besondere Regelung für den Markt (...): Punkt 5.3 Windschutze und Trennwände sowie Abgrenzungen und Einfriedungen jeglicher Art sind unzulässig. Punkt 5.4 Begrünungselemente sind unzulässig.“

Harald Gerstung seufzt und sagt: „Da können Sie mit noch so viel Blümchen nett die Tische dekorieren.“ Dabei war Rheydt doch einmal berühmt für seine öffentlich gezeigte Liebe zu den Blumen. Außerdem hat Harald Gerstung bisher penibel die Richtlinie beachtet. Darin heißt es: „Das gesamte Mobiliar ist in Material und Farbe aufeinander abzustimmen. Es sind ausschließlich helle, naturfarbene Materialien zu verwenden. Für Sonnenschirme sind ausschließlich helle, naturfarbene Farbtöne zu wählen.“ Der Gastronom findet Verordnungen generell vernünftig, fragt sich und alle anderen aber: Könnte es für den Ratskeller eine Ausnahme geben?

Liebe Leser, sind Sie für oder gegen die Richtlinie? Schreiben Sie an leserbriefe@stadt-spiegel-moenchengladbach.de oder rufen Sie an: 02161 819833

(StadtSpiegel)