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Bauern fordern faire Preise

Glehn. Die Bauern sind die Dummen. Wir Bürger kaufen immer mehr gesunde und regionale Milch, Kartoffeln, Erdbeeren oder Spargel. Aber die Erfahrung von Landwirt und Verbandssprecher Wolfgang Wappenschmidt aus Glehn zeigt: „Bei uns kommt davon wenig an, weil die Preise nicht fair sind.“ Von Klaus Schröder

Auf seinem Hof sitzt Wolfgang Wappenschmidt mit einem Mann im Anzug in der Morgensonne und erklärt ihm die Bauern-Welt. „Der Außenschutz für die Produkte ist weggefallen und deshalb müssen wir uns am Weltmarkt orientieren.“ Das bedeutet: Extreme Schwankungen bei Nachfrage und Preis. „2007 bis 2012/13 hatten wir eine recht stabile Phase.“

Doch seit Russland-Embargo und China-Flaute ist alles anders. Zum Beispiel bei der Milch: „40 Cent müssten die Bauern kriegen, zurzeit sind es merklich unter 30.“ Die Molkereien und der Einzelhandel drücken auf den Preis bis zum Geht-nicht-mehr. Dann bleibt dem Landwirt die Verdoppelung seiner Kuhherde, weil sich nur so die Anschaffung eines weiteren Melk-Roboters lohnt. Der Milchfluss steigt und bis zum Milch-See ist es dann nicht mehr weit. Der drückt wiederum die Preise; ein Teufelskreislauf. Auch sonst lastet einiges auf der Motivation. Etwa, dass die einzig erneuerbare Energie, die sich speichern lässt, das Biogas, keine gute Lobby mehr hat. Oder der Flächen-Fraß: „Mönchengladbach braucht immer mehr Gewerbeflächen, auch zur Wohnbebauung.“ Zudem der Generalverdacht, der die Bauern als Umweltsünder ausgemacht hat, „obwohl wir seit Jahren gewässerschonend arbeiten.“ Verunreinigungen könnten auch durch die Beschaffenheit der Böden und unter Einfluss des Wetters zustandekommen. „Wir haben viel gelernt und viel investiert - aber es wird von der Gesellschaft einfach nicht honoriert. Das frustriert schon.“

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(StadtSpiegel)