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Bei den Emberá in Panama

Mönchengladbach. Von Kopfjägern auf Borneo adoptiert, vom Stamm der Emberá im Regenwald von Panama als Freund verabschiedet – Christian Bruns (46) von der Jugendherberge Hardt liebt abenteuerliche Reisen, die er aber alle ausgesprochen ruhig und wohlüberlegt vorbereitet. Von Klaus Schröder

Ein kerniger Mann, braun gebrannt, grau-grüne Augen, offenes Gesicht, sitzt in der Redaktion und erinnert sich an seine erste Reise. „Das war 1990, nach Japan, mit der transsibirischen Eisenbahn.“ Vier Jahre hat er sich auf den Trip vorbereitet und Geld gespart. Dann, zwischen Bundeswehr und Studium, machte er sich auf nach Thailand, Malaysia und Indonesien. „Das lief schlecht.“ Direkt in Bangkok wurde das Gästehaus aufgebrochen - alles war weg. Eine Woche saß er in der Millionenstadt fest, weil niemand ihm den Verlust von 2 000 Mark glauben wollte. „Die Behörden haben mich am ausgestreckten Arm verhungern lassen.“ Heute sieht er sein Scheitern gelassen. „Dinge passieren.“ Vor allem, wenn man allein unterwegs ist. Bruns stützt sich auf seine Ellbogen und sagt: „Das bin ich oft.“ Warum? „Man ist flexibler, leiser, unaufdringlicher.“ So lässt sich auch besser der Rhythmus finden, den er für seine Art des Reisens als essenziell bezeichnet. „Ich mache sehr viel zu Fuß.“ Das galt auch für seinen Aufenthalt auf Borneo 1998, als er sechs Monate dort war, mit zweihundert Leuten unter einem Dach im Langhaus lebte und im darauffolgenden Jahr noch einmal zwei Monate. Im Rückblick muss er feststellen, dass der Stamm von Kopfjägern, der ihn in sein Herz geschlossen hatte, es nicht schaffte, die eigenen kulturellen Eigenschaften zu bewahren.

(StadtSpiegel)