| 16.22 Uhr

Beide Seiten sensibilisieren

Beide Seiten sensibilisieren
Verkehrssicherheitsberater Erwin Hanschmann zeigt, wie der richtige Einstieg in des Bus mit Rolltor funktioniert.
Mönchengladbach. Seit 2009 bietet die NEW zusammen mit der Polizei Mönchengladbach Busfahrschulungen für Fahrpersonal und körperlich gehandicapte Fahrgäste an. Ziel der Aktion ist, die Zahl der Unfälle von Senioren in öffentlichen Verkehrsmitteln zu senken. Von David Friederichs

Um kurz nach zehn hatten sich amBusbahnhof am Europaplatz am Montag schon zahlreiche Senioren eingefunden. Ob mit Rollator und Rollstuhl - sie waren dem Aufruf der NEW und der Polizei gefolgt, die ein zweistündiges Busfahr training anboten. „Seniorenunfälle in Linienbussen sind ein Thema, bei dem man durch Gespräche und praktische Übungen Aufklärungsarbeit leisten und auf beiden Seiten eine größere Sensibilität erreichen kann“, sagt Wolfgang Optenbusch, Geschäftsführer der NEW mobil und aktiv GmbH.

Und die Senioren nutzten beides - sowohl die Gespräche als auch die Praxis. „Dann legen Sie mal los“, sagt Erwin Hanschmann, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Mönchengladbach. Und schon beim ersten Handgriff bemerkt er den ersten „Fehler“. Denn statt die blaue Taste mit abgebildetem Rollstuhl und Kinderwagen zu drücken, nimmt die Dame die grüne Taste. „Aber ich habe doch gar keinen Rollstuhl, sondern einen Rollator“, sagte sie. Stimmt zwar, dennoch sollte die blaue, die sogenannten „Hilfe-Taste“ genutzt werden. „Der Busfahrer wird dadurch informiert und das automatische Schließen der Türe wird ausgeschaltet, damit Rollstuhl- oder Rollatorfahrer in Ruhe ein- und aussteigen können“, sagt Optenbusch.

Doch nicht nur das Nutzten der richtigen Taste, sondern auch das richtige Ein- und Aussteigen will geübt sein. „Am sichersten ist es, wenn man rückwärtig den Bus verlässt, damit der Rollator nicht beim Aussteigen verkantet“, erklärt Hanschmann, und bietet damit sofort weiteren Gesprächsbedarf. Oftmals würden die Busse zu weit vom Borstein entfernt parken, so dass für die Senioren eine große Lücke zu überbrücken sei. „Deswegen sensibilisieren wir auch unsere Fahrer“, betont Optenbusch. Allerdings würden manche Haltestellen in Kurvenbereichen oder baulich bedingte Hindernisse dies nicht immer möglich machen. „Auch geparkte Autos sind hier immer wieder ein Problem“, weiß Optenbusch. Alle Busse der NEW verfügen in solchen Fälle auch über eine manuell zu bedienende Klappe. Hier kommt entweder der Busfahrer zur Hilfe, oder aber andere Fahrgäste helfen.

An 144 Unfällen waren Senioren im vergangenen Jahr beteiligt, zwölf Senioren wurden als Fahrgäste in einem Linienbus verletzt. Dass die Zahl im Gegensatz zum Jahren 2013 (14) leicht zurückging, ist auch solchen Aktionen wie in dieser Woche zu verdanken. Seit 2009 gibt es diese Trainings. Zunächst fanden sie auf dem NEW-Gelände statt, seit drei Jahren wird nun in Alltagssituationen geübt. „Außerdem besuchen wir regelmäßig Seniorenclubs und Altenzentren, um in diesem Bereich aufzuklären, Fragen zu beantworten und die Angst zu nehmen“, so Hanschmann.

(Report Anzeigenblatt)