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Blaues Wunder aus dem Topf

Blaues Wunder aus dem Topf
Am 10. Juli ist die letzte Chance, sich von Norbert Krause auf dem Töpfermarkt Schloss Rheydt etwas färben zu lassen. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Vom Aktionskünstler Norbert Krause ist man ja so einiges gewohnt. Deshalb wundert es nicht, dass er neuerdings mit einem beschirmten Lastenfahrrad durch Mönchengladbach fährt und und anderen die Sachen blau färbt. Die Aktion „Blaumacherei“ soll mehr Leute in die Farbstoffsammlung der Hochschule Niederrhein im Monforts Textil Technikum locken. Von Ulrike Mooz

Um das Blaumachen ranken sich viele nette Anekdoten, zum Beispiel, dass die Färber, um den blauen Farbstoff herzustellen, in den Farbeimer pinkeln mussten, und damit das besonders ergiebig ging, soll viel Bier geflossen sein. Das wiederum hat dazu geführt, dass die Färber dann betrunken waren und außerdem musste angeblich sowieso ein Tag gewartet werden, bis die Farbe in den Stoff eingezogen war. So oder ähnlich muss es gewesen sein - weshalb mit Blau machen heute noch Freizeit gemeint ist, zu der man irgendwie nicht ganz rechtmäßig gekommen ist.

Das allein ist aber nicht der Grund, warum Aktionskünstler Norbert Krause mit einem mobilen Stand unterwegs ist, der aussieht, wie ein Eisstand, in Wahrheit aber ein Färberstand ist. Er wirbt mit seiner „Blaumacherei“ nicht dafür, das mehr Leute blau machen, sondern, dass sich mehr Leute die weltgrößte Farbenausstellung der Hochschule Niederrhein angucken, die sich im Textiltechnikum des Monforts Quartiers befindet.

Seit dem 25. Juni und noch am 10. Juli kann man seine Socken, T-Shirts oder andere kleine Textilien aus Baumwolle oder Leinen bei Norbert Krause kostenlos blau färben lassen. Statt Urin verwendet er allerdings Powerentfärber, in dem das benötigte Natriumdithionit und Natronlauge enthalten sind. „Färben ist vor allem auch ein ökologisches Problem gewesen“, so Norbert Krause. Färbereien hätten wegen des Gestanks immer am Stadtrand gelegen und die Farbreste seien einfach in die Natur gekippt worden - auch zu Zeiten, als man noch mit Naturstoffen färbte, war das nicht schön.

2 184 der über 10 000 Farbpigmentproben der Hochschule sind im Textiltechnikum in alten Glasflaschen in großen Regalen neben historischen Webstühlen aufgereiht. „Farben haben sich deshalb entwickelt, weil die Leute bunte Kleider wollten“, erklärt Kulturdezernent Dr. Gert Fischer bei der Vorstellung der Werbeaktion. Blau war dabei die billigste Farbe. Im Mittelalter sei, wenn überhaupt bunt, dann das meiste blau gewesen, so Dr. Karlheinz Wiegmann, Leiter des Museums Schloss Rheydt, zu dem das Textiltechnikum gehört. Zumeist seien das aber erstmal Uniformen oder edle Kleider gewesen.

Färbereien seien traditionell früher oft am Niederrhein zu finden gewesen, so Wiegmann. Zunächst wurde mit Färberwaid, das hier großflächig angebaut wurde, blau gefärbt. Später wurden weitere Farben entwickelt und die Zutaten aus Indien und Südamerika günstiger bestellt. Die Vorläufer-Fachschulen der Hochschule Niederrhein waren ganz wesentlich an der Entwicklung der Farben beteiligt und legte damit nicht nur den Grundstein für die Textilindustrie am Niederrhein, sondern auch für die Chemieindustrie überhaupt, so Wiegmann.

(Report Anzeigenblatt)