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Blicke hinter die Maske

Blicke hinter die Maske
Die „maskenhaften“ Werke von Marianne Reiners-Maaz kann man noch bis Ende März im Korschenbroicher Rathaus bewundern.
Korschenbroich (rmb). Im Foyer des Korschenbroicher Rathauses an der Don-Bosco-Straße stellt aktuell die Viersener Künstlerin Marianne Reiners-Maaz ihre Gemälde aus. Von Klaus Schröder

Den ersten Computer zu Hause hat Marianne Reiners-Maaz im Jahr 2001 bekommen. Im Programm „Paint“ übte sich die Künstlerin darin, herkömmliche Mal- und Zeichenutensilien durch die Computermaus zu ersetzen. Ergebnisse daraus hat sie für ihre Ausstellung „Menschenbilder“ auf Fahnenstoff gedruckt und als erste Hingucker in die Fenster des Rathaus-Foyers an der Don-Bosco-Straße gehangen. Ihre weiteren Werke werden allerdings durch Aquarellfarben bestimmt und sind im Rahmen der Ausstellungsreihe „Kunst im Rathaus“ nun bis zum 31. März im Ratssaal zu sehen.

Identität und Maskerade sind die Themen, um die ihre Bilderserien kreisen. Die Künstlerin beschränkt sich dabei auf den Ausschnitt von Halskrause bis Haaransatz. Die Gesichter zeichnet sie von Pressefotos nach. Es sind keine Prominenten, sondern eher beiläufig im Bild festgehaltene Personen. Die Deutung ihrer Ausdrücke ist tiefgründig und Marianne Reiners-Maaz will diese dem Betrachter auch nicht vorwegnehmen. In der Serie „Gespinste“ bringt sie die Anonymität und Flüchtigkeit in der Gesellschaft zum Ausdruck, die 33 Gesichter der siebenteiligen Serie „Flying“ spiegeln Leid wider, mit ihrem gemeinsamen Blick nach rechts gewandt ist aber zugleich die Hoffnung in die Zukunft verbunden. Besonders maskenhaft wirken die Gesichter der Serie „persona“. Durch einen grünen Farbauftrag gleicht die Struktur oxidierter Bronze. Aber ebenso durch Übermalungen der teils verlorenen Profile – etwa mit der Darstellung einer Mauer (im Kopf) – will Marianne Reiners-Maaz hinter die Maskerade des menschlichen Ausdrucks blicken.

Die freischaffende Künstlerin aus Viersen hat 2014 und 2016 am Korschenbroicher Kunstfrühling teilgenommen. Seit 2015 experimentiert sie mit schwerem Steinpapier, was auch ihre jüngsten Arbeiten in der Ausstellung zeigen. Die glatte Oberfläche und das nicht saugende Material legen in den künstlerischen Prozess auch den Zufall hinein. Das Gemalte zerläuft, der langwierige Trocknungsprozess wird mittels Föhn nicht nur beschleunigt, sondern der Haartrockner dient zugleich auch als Malwerkzeug. Der Luftstrahl lässt die Farben in der nassen Fläche eine Zeit lang hin- und herfließen, bis sie urplötzlich und kaum kontrollierbar getrocknet sind. Diese Entwicklung reizt Reiners-Maaz besonders für ihre Menschenbilder. „Gerade beim Malen eines Gesichts interessiert mich das, was ich nicht allein in der Hand habe. Ich halte mich zwar getreu an die Form, die ich sehe und wiedergeben möchte. Das Ergebnis aber, das sich weitgehend einem Spiel gleich dem Zufall verdankt, soll offen bleiben für das Unverfügbare“, sagt die Künstlerin.

(StadtSpiegel)