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Bloß weg mit dem Tier

Bloß weg mit dem Tier
Terriermischling Lilly ist seit letzter Woche Montag in der Tieroase Bettrath. Zur Ferienzeit einfach abgeschoben. FOTO: Petra Käding
Mönchengladbach. Am Anfang war sie noch so groß, die Tierliebe. Jetzt ist Urlaubszeit, und mancher Hunde-, Katzen- und Kleintierbesitzer merkt: Oh, das ist aber lästig, wenn wir nach Malle fliegen... Und jetzt? Die ersten Gladbacher Vierbeiner sind schon beim Tierschutz gelandet. Von Petra Käding

Terriermix-Mädchen Lilly schaut, als ob es noch gar nicht begreifen könnte, dass Frauchen es abgeschoben hat. Seit Montag ist die erst eineinhalbjährige Hündin in der Tieroase Bettrath. Ihre Besitzerin kam, einen Badeanzug unterm luftigen Hängekleidchen tragend, und gab Lilly einfach ab. Die Begründung der Besitzerin, die auf Ende vierzig geschätzt wird: Sie sei herzkrank und könne sich nicht um den Hund kümmern. "Die hat alles andere als krank ausgesehen", sagt Irmtraud Schweitzer, eine der fünf Damen aus dem Vereinsvorstand des Teams Pro Animal e. V.. Ihre Beobachtung: "Zu Ferienbeginn werden auffällig viele Tiere abgegeben - mit einer der Erklärungen: Allergie, Umzug, Krankheit. Das können sie dann richtig fühlen, dass die ihr Tier einfach abgeben wollen, vielleicht, weil sie in den Urlaub fahren." Problematisch ist, dass die Tier-oase nur eine begrenzte Anzahl an Tieren aufnehmen kann. "Gerade erst mussten wir vier Hunde ablehnen", bedauert Irmtraud Schweitzer. "Aus Platzgründen..."

Im Tierheim des Tierschutz Mönchengladbach e. V., am Hülserkamp 74, geht es zurzeit noch vergleichsweise entspannt zu. Noch ist Platz, sogar die Zahl der Katzen hält sich in Grenzen. Aber Jasmin Pulver vom Tierschutz will sich nicht zu früh freuen: "Die Ferien haben ja erst begonnen – da kommt bestimmt noch was!" Dass Tiere vorm Urlaub ausgesetzt werden, komme immer wieder vor, sagt sie.

Für Tierfreunde unfassbar. Aber auch rein rechtlich gesehen nicht zu begreifen, denn Tierhalter, die ihre Haustiere aussetzen, begehen eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 25 000 Euro geahndet wird. Das Tier im Heim abgeben, ist also die "günstigere Variante". Und eine Ausrede schnell gefunden.

(StadtSpiegel)