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Extra-Tipp Redakteurin Christina Reineke war als Anwohnerin selbst betroffen
Bombenfund in Eicken

Extra-Tipp Redakteurin Christina Reineke war als Anwohnerin selbst betroffen: Bombenfund in Eicken
Über die NEW wurden für die zu evakuierenden Personen Busse bereitgestellt, die für die Zeit der Räumung keine andere Aufenthalts- und Beförderungsmöglichkeit hatten. FOTO: Theo Titz
Mönchengladbach (cc). Bei Tiefbauarbeiten an der Martinstraße in Höhe der Hausnummer 38 in Eicken wurde am Dienstag eine 500 Kilogramm schwere Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Extra-Tipp Redakteurin Christina Reineke war von der darauf folgenden Evakuierung aus den Wohnhäusern im Radius von 500 Metern um die Fundstelle als Bewohnerin selbst betroffen. Von Christina Reineke

„In Eicken wurde eine Bombe gefunden.“ Diese Nachricht bekam ich am Dienstag gegen 16 Uhr von einem Kollegen mitgeteilt und wurde hellhörig. „Wo denn in Eicken?“, war meine erste Frage, schließlich wohne ich dort. Als klar wurde, dass es sich um die Martinstraße handelte und um die Fundstelle im Radius von 500 Metern alle Wohnhäuser, Firmen und auch die zwei Betroffenen Altenheime evakuiert werden mussten, wurde mir klar, dass mein Mann und ich auch davon betroffen sein würden – und schlimmer, unsere Katzen. Mit einem mulmigen Gefühl setzte ich mich ins Auto und fuhr zu unserer Wohnung, denn bis spätestens 19 Uhr sollte diese geräumt sein. In der Nähe der Kaiser-Friedrich-Halle häuften sich die Einsatzwagen der Polizei und auch die Krankenwagen. Erste Staus sah ich schon auf der Hermann-Piecq-Anlage, da alle Betroffenen versuchten schnellstmöglich aus Eicken herauszukommen. Vor unserer Wohnung angekommen kreiste ein Hubschrauber über den Dächern und man hörte die Lautsprecherdurchsagen der Polizeiwagen, die durch die Straßen fuhren. „Wir möchten Sie bitten sich schnellstmöglich aus Ihren Häusern zu begeben.“ Die sonst mit Autos gut gefüllten Kaiser- und Lessingstraße waren schon weitestgehend leer gefegt. Vereinzelt gingen Passanten an den Häuserfronten mit fragenden Gesichtern vorbei, die wahrscheinlich noch nichts vom Bombenfund mitbekommen hatten und wurden gleich von Polizeibeamten angesprochen und gebeten das Gebiet schnellstmöglich zu verlassen. Andere Menschen sah ich mit vollgepackten Taschen, ihren Kindern oder Hunden und Katzen hektisch ins Auto steigen. Eine surreale Situation, bei der man sich schon fragt, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Bombe tatsächlich hochgehen könne beim Entschärfen.

Im Hausflur traf ich auf unsere Vermieterin, die mir mitteilte, dass man sich in der Kaiser-Friedrich-Halle melden solle beziehungsweise dort unterkommen könne. Für mich stand aber fest, dass ich zu meinen Eltern fahren würde, ich aber vorher noch nach unseren Katzen sehen und sie entsprechend versorgen wollte. Mein Mann war noch auf der Arbeit in Düsseldorf, weswegen sich gegen 19 Uhr das nächste Problem für uns stellte: der Mönchengladbacher Hauptbahnhof wurde nicht mehr angefahren. So musste ich ihn an einem anderen Bahnhof abholen und wir hielten uns erstmal außerhalb von Mönchengladbach auf. Gegen 20 Uhr sollte die Bombe entschärft werden, doch das Ganze verzögerte sich, wie wir aus dem Radio und auch über Facebook erfuhren – zunächst war von 21.30 Uhr die Rede. Grund waren die anhaltenden Räumungsarbeiten im Evakuierungsbereich, in einem der beiden Altenheime gestaltete sich die Evakuierung wohl aufwendiger als zunächst gedacht.

Ab 21.40 Uhr waren wir vor Ort und warteten gespannt am Schillerplatz mit anderen Menschen auf grünes Licht für die Entschärfung. Viele waren müde, andere aufgebracht oder schlichtweg genervt vom langen Warten. Immer wieder wurden die an der Absperrung stehenden Polizisten gefragt, wann es denn nun weiterginge. Um 22.13 Uhr dann die erste gute Nachricht: Der Evakuierungsbereich ist komplett geräumt. Mit der Entschärfung der Bombe wird unverzüglich begonnen – und unerwartet schnell war dann auch alles vorbei. Nur 22 Minuten später gab es Entwarnung und die Absperrungen wurden langsam überall aufgehoben. Um 23 Uhr sank ich nur noch glücklich und zufrieden mit meinen Katzen auf die Couch und war froh, dass nichts Schlimmeres passiert war.

(Report Anzeigenblatt)