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Da kann man sich nur wundern

Da kann man sich nur wundern
Ute Däbritz, Kustodin Museum Schloss Friedenstein, und Dr. Karlheinz Wiegmann, Direktor Museum Schloss Rheydt, in der neuen Ausstellung. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Rheydt (cc). Das Städtische Museum Schloss Rheydt zeigt ab heute die Ausstellung „Vielerley merckwürdige Dinge“ und hat dafür Teile der Kunstkammersammlung des Residenzschlosses Friedenstein aus Gotha zu Gast. Von Christina Reineke

Das anatomische Modell einer schwangeren Frau aus Elfenbein, dessen Bauchdecke sich öffnen lässt, eine Klappsonnenuhr, das baumwollene Gewand eines osmanischen Prinzen mitsamt der ledernen Pantoffeln, ein Kokosnusspokal mit biblischen Szenen und die Säge eines Sägerochens – wie passt all das nur zusammen? Auf den ersten Blick gar nicht, doch die Ausstellung im Schloss Rheydt unter dem Titel „Vielerley merckwürdige Dinge“ hat die Absicht genau diese sonderbare Vielfältigkeit aus Kunst- und Wunderkammern der Renaissancezeit abzubilden. In diesem speziellen Fall wurde die Wunderkammer auf Schloss Friedenstein in Gotha „geplündert“ und mit den Kunststücken aus der Wunderkammer des einzig vollständig erhaltenen Renaissanceschlosses im Rheinland, Schloss Rheydt, zu einer gemeinsamen Ausstellung kombiniert, über die man sich beim Anschauen tatsächlich häufig „wundert“.

„In der Renaissance wurde die Welt neu entdeckt. Alles Unbekannte und Neue wurde untersucht und eben auch gesammelt. Wenn Gäste kamen, wurden diese Gegenstände präsentiert und gezeigt, so dass man die Faszination darüber teilen konnte“, erklärt Dr. Karlheinz Wiegmann, Direktor Museum Schloss Rheydt. Dabei spielte es zunächst auch keine Rolle, ob die Kuriositäten thematisch zusammenpassten – und so fanden Elfenbeinfiguren, Kokosnüsse, Muscheln, Musikinstrumente oder Kleidung gleichermaßen ihren Platz in den Kunst- und Wunderkammern. „Das waren die Vorläufer der Museen“, so Wiegmann. Nur wenige dieser ungeheuer wertvollen Sammlungen haben die Zeit überdauert. Doch die Kammer im Residenzschloss Friedenstein in Gotha gehört zu den noch wenigen originalen. Die von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha im 17. Jahrhundert angelegte Sammlung entstand zwar vergleichsmäßig spät, doch ist sie bis heute nahezu lückenlos erhalten. „Die ersten Stücke stammen aus den 1650er Jahren. So haben wir ein gutes Bild, wie sie in der Frühzeit ausgesehen haben muss und wodurch sie immer wieder erweitert wurde“, sagt Ute Däbritz, Kustodin Museum schloss Friedenstein, Gotha. Laut Aufzeichnungen durfte die Kammer bereits im 17. Jahrhundert zu Studienzwecken besichtigt werden, deshalb hat die Sammlung auch einen eher wissenschaftlichen Charakter, als den Ruf einer Wunderkammer.

Johann Georg Keyßler besuchte 1719 die Kunstkammer im Residenzschloss Friedenstein in Gotha und schrieb in einem Reisebericht, dass diese „mit vielerley merckwürdigen Dingen angefüllet“ sei – so entstand der Name zur Ausstellung, die ab heute, 15 Uhr bis zum 10. Juli im Schloss Rheydt und anschließend auch in Gothar zu sehen sein wird.

(Report Anzeigenblatt)