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Siebter Teil der Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Christina Caelers schmiedete den einen Ring
Dann hau’ ich mit dem Hämmerchen...

Siebter Teil der Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Christina Caelers schmiedete den einen Ring: Dann hau’ ich mit dem Hämmerchen...
Kursleiterin Mina und Redakteurin Christina Caelers (r.) erwärmen den Ring mit vereinten Kräften. Dabei gilt immer schön kreisförmig arbeiten.
Düsseldorf. Wenn mich jemand nach meinen Talenten fragt, sage ich für gewöhnlich "Schreiben". Und da das meiner Meinung nach mein einziges Talent ist, habe ich es auch zum Beruf gemacht. Im Zuge unserer Hochzeitsplanungen überlegten sich mein Verlobter und ich aber, unsere Eheringe selbst zu schmieden. Weil, einfach kann ja jeder. So machten sich zwei Grobmotoriker auf, Ringe zu schmieden, die sie tagtäglich tragen wollen und entdeckten ein verborgenes Talent. Von Christina Caelers

"Jetzt trau dich doch mal. Einfach draufhauen, da kann nichts kaputt gehen. Du kannst nichts falsch machen." Misstrauisch beobachte ich den Goldstab, der im Schraubstock an der Werkbank steckt und darauf wartet von mir rund geschlagen zu werden. Irgendwie kann ich weder meinem Verlobten, noch unserer Kursleiterin glauben. Klar, es klingt logisch, dass ein Gummihammer an echtem Gold keinen Schaden anrichten kann, aber ich kann das durch meine Tollpatschigkeit vielleicht schon. Nun gut, ich nehme all meine Kraft und meinen Mut zusammen und haue mit Wucht gegen die Stange, so dass sie sich um den Ringdorn aus Stahl legt. Und siehe da, der erste Schritt zum Ehering ist getan. Der Anfang eines langen Tages, den ich zum größten Teil mit dem Gummihammer bestreiten werde.

In der Hobbygoldschmiede in Düsseldorf ist es gemütlich. Auf zwei Räume verteilt stehen Arbeitsplätze zur Verfügung, die überwiegend von angehenden Ehepaaren am Wochenende in Beschlag genommen werden, um die eigenen Trauringe zu schmieden. An diesem Tag sind wir drei Paare, die alle gleich unsicher, aber auch begeistert von der Idee wirken.

Nachdem der Ring von mir durch kräftiges Hämmern in eine halbwegs runde Form gebracht wurde, präsentiere ich ihn stolz unserer Kursleiterin Mina. Ihr Kommentar: "Ja, das sieht schon gut aus, aber die Enden müssen direkt voreinander liegen, damit wir sie vernünftig zusammenlöten können." Okay. Also klemme ich den "Ring" erneut zwischen den Schraubstock und haue vorsichtig mit dem Hammer schräg von oben auf die Enden. Nach einiger Zeit ist es geschafft und ich begebe mich zur "Feuerstelle". Zunächst feilt Mina die Enden noch einmal gründlich ab und steckt dann einen Goldstreifen zwischen die Enden als Schweißgut. Wir stellen die Mini-Bunsenbrenner an und erwärmen den Ring mit vereinten Kräften. Immer schön kreisen und darauf achten, dass sich das Schweißgut gleichmäßig verteilt. Ich fühle mich schon ein bisschen wie im Film "Der Herr der Ringe", denn so langsam kommt der Ring auf Betriebstemperatur und leuchtet in einem saftigen Gelb-Rot. Bloß nicht anfassen – mit einer Pinzette hebe ich den Ring auf und lasse ihn in ein Wasserglas ein. "Schön gleichmäßig, bitte. Die Stelle, die zuerst das Wasser berührt ist sonst härter als die anderen", so Mina. Hat geklappt! Jetzt brauchen wir erstmal eine Verschnaufpause, bevor es weitergeht mit Hämmern. Diesmal müssen die Ringe tatsächlich rund werden. Ich drehe ihn so lange und hämmere was das Zeug hält, bis zwischen Ring und Dorn kein Fünkchen Platz mehr ist. Da er beim Anprobieren doch ein bisschen locker am Finger meines Verlobten sitzt, kommt er nach dem Abmessen mit Ringrassel in die Ringpresse und siehe da: von der Form sieht er aus wie ein richtiger Ring, so wie wir ihn uns ausgesucht haben.

Jetzt geht es an den Feinschliff. Per Fußpedal bestimme ich die Geschwindigkeit der kleinen stiftförmigen Maschine auf die ich zunächst eine Schleifspitze aufgesetzt habe, mit der ich in halbkreisförmigen Bewegungen die Innenseite des Ringes bearbeite. Von Innen nach Außen, so dass keine Kratzer und Schlieren mehr zu sehen sind. "Und immer schön die Kanten mitnehmen", mahnt Mina. Die Kanten werden auch noch extra mit Papier geschliffen, an einer Maschine, die sich rasant schnell dreht. Ich muss feststellen: Hämmern macht mir trotz anfänglichen Bedenken viel mehr Spaß als Schleifen. So langsam merken das auch meine Fingerkuppen, die immer ein Stück mit "abgeschliffen" werden.

Zu guter Letzt wird mit der stiftförmigen Maschine mit entsprechend anderem Aufsatz poliert. Der Ring fängt langsam von innen an zu glänzen. Die Vorfreude steigt. Da wir uns für eine "eismatte" Oberfläche entschieden haben, ist für uns auch Schluss mit polieren. Jetzt geht es eher ans "Kaputtmachen". Mit Schmirgelpapier bearbeite ich die Oberfläche des Rings und reibe so viele kleine Kratzer rein. Der Kommentar meines Verlobten: "Wir können auch auf die Straße gehen und die Ringe einmal über den Asphalt ziehen. Hat in etwa den gleichen Effekt" Recht hat er, aber im Ergebnis ist die Oberflächenstruktur wirklich toll geworden.

Nach einem achtstündigen Schmiedetag bin ich kaputt, aber auch überglücklich. Nie hätte ich gedacht, dass ich mit nur ein paar Anleitungen selbst einen Ring an nur einem Tag schmieden könnte. Vielleicht ist es noch kein Talent, aber unbegabt scheine ich nicht zu sein.

(Report Anzeigenblatt)