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Das Gewissen macht Pause

Das Gewissen macht Pause
Ob man Strafverteidigerin und Jura-Professorin Annalise Keating (Viola Davis) lieben oder hassen soll, weiß man nicht so genau. Ihren Studenten geht es da ganz genau so. FOTO: ABC/Nicole Rivelli
Wie man mit einem Mord davonkommt – das weiß die begnadete Anwältin Annalise Keating (Viola Davis) ziemlich gut. In der mehrfach ausgezeichneten US-Serie "How to get away with murder" geht es knallhart zu. Siegen ist hier wichtig – nicht die Wahrheit. Von Simone Krakau

"Sie sind im Kurs 'Einführung in das Strafrecht' oder wie ich ihn lieber nenne: Wie man mit Mord davonkommen kann." Das sind Annalise Keatings (Viola Davis) erste Worte in der Krimi-Serie "How to get away with murder". Und wie das geht, weiß die brillante Strafverteidigerin und Jura-Professorin ganz genau. In der ABC-Serie dreht sich alles um die Frage, ob Annalise selbst in einen Mord verwickelt ist und ob sie diesen Vorwurf von sich weisen kann.

Jedes Jahr sucht sie sich eine kleine Gruppe ihrer besten Studenten aus, denen sie die einmalige Chance bietet, in ihrer Kanzlei zu arbeiten. Dort drillt sie ihr "Team" im Verstecken von wichtigen Informationen, der Umdeutung von Fakten und der Verschleierung der Wahrheit. Dass auch die Studenten dieses Wissen noch persönlich brauchen werden, wird schon in der ersten Folge deutlich: Wes Gibbins (Alfred Enoch), Connor Walsh (Jack Falahee), Laurel Castillo (Karla Souza) und Michaela Pratt (Aja Naomi) schaffen eine Leiche weg, während auf dem Campus eine große Feier mit einem Freudenfeuer stattfindet. Den toten Menschen im Teppich zu verbrennen, scheint den Studenten deshalb naheliegend.

Noch viel spannender ist aber, wie es überhaupt erst so weit kommen konnte. Das erzählen die Produzenten und Drehbuchautoren Shonda Rhimes und Peter Nowalk (beide Grey's Anatomy" und "Scandal") in ständigen Rückblenden. Und genau das ist es, was diese Serie so interessant macht und den Suchtfaktor mit jeder Folge in die Höhe schießen lässt. Immer wieder erfährt der Zuschauer Dinge, mit denen er vorher ganz und gar nicht gerechnet hat und die eventuell in einen kurzen Schock versetzen können – denn in dieser Serie ist eigentlich nichts so wie es scheint.

Die Figur der Annalise Keating trägt einen großen Teil dazu bei, dass diese Serie so unglaublich sehenswert ist. Ob man die knallharte Anwältin aber lieben oder doch eher hassen soll, weiß man nie so recht. Mit ihrer unberechenbaren Seite und ihren eiskalten Blicken, könnte sie das Blut in den Adern gefrieren lassen. Dennoch hat sie auch eine verletzliche Seite, die sich ab und an mal blicken lässt.

Auch weitere Hauptrollen wie Bonnie Winterbottom (Liza Weil), die Annalise als Anwältin unterstützt, sowie Frank Delfino (Charlie Weber), kein Jurist sondern eher "Ein Mann für das Grobe", tragen zur packenden Story bei. Eine Wohlfühl-Serie ist "How to get away with murder" sicher nicht – von "Ende gut, alles gut" keine Spur. Hier steht das Siegen im Vordergrund – nicht die Wahrheit.

Aktuell gibt es zwei Staffeln von "How to get away with murder", die Dreharbeiten für eine dritte haben bereits begonnen. Bei uns kann man die Serie bei dem Streaming-Dienst Netflix sehen, bald auch wieder bei Vox, oder etwa bei iTunes und Amazon käuflich erwerben.

(StadtSpiegel)