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Mit speziellen Techniken und Wissen aus der Molekularküche wird das Leben im Altenheim versüßt
Das Schäumchen ist ein Träumchen

Mönchengladbach . Menschen mit Demenz mögen buntes Essen und kleine Häppchen und solche, die nicht mehr schlucken können, lieben trotzdem leckere Geschmäcker und Gerüche. Wie die Zentralküche der städtischen Sozial-Holding auf solche Bedürfnisse eingeht, sah sich NRW-Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache an. Von Ulrike Mooz

Koch Martin Reichelt hat in seiner fahrbaren Miniaturküche ein Gerät, das aus Saft aromatischen Schaum herstellen kann - einen Schaum, der im Mund ein leckeres Nichts zum Beispiel mit intensivem Kokos- oder Möhren-, Orangen- oder auch Speckgeschmack hinterlässt. "Das geht mit allem, aus dem man eine Flüssigkeit extrahieren kann", sagt Marion Stroemer, Betriebsleiterin der Zentralküche der städtischen Sozial-Holding. Die Zentralküche beliefert viele Altenheime in Mönchengladbach und der Aromenschaum ist für Bewohner gedacht, die nicht mehr schlucken können, trotzdem aber auf einen leckeren Geschmack im Mund nicht verzichten wollen. Da mit die auch was fürs Auge und was zum Riechen haben, fährt Martin Reichelt mit seiner Miniküche bis vor ihr Bett und fühlt sich dabei, wie ein Event-Koch. "Für viele Menschen in den Altenheimen sind die fünf Mahlzeiten am Tag die Highlights", sagt Helmut Wallrafen-Dreisow, Geschäftsführer der Sozial-Holding, denn viele könnten zum Beispiel das Haus nicht mehr verlassen.

NRW-Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter war letzte Woche in der Stadt, um sich verschiedene Projekte der Sozial-Holding - einige vom Land mitfinanziert - anzusehen. In der Zentralküche probierte sie nicht nur die leckeren Schäumchen von Martin Reichelt, sondern auch das Fingerfood aus der Zentralküche, das vor allem für Menschen mit Demenz gereicht wird, die oft keine Lust mehr haben, große Portionen zu essen. Wer hier Probleme mit dem Kauen hat, kann sein Essen sogar in pürierter Form bekommen. Deshalb muss es aber noch lange nicht unappetitlich und breiig aussehen. Die fünf Köche und fünf Küchenhilfen der Zentralküche haben auch hier einen Trick: Sie bringen zum Beispiel Lachsmus in einer Silikonform in Gestalt eines Fisches oder Fleischmus in der eines Koteletts zum Stocken. Das Auge isst schließlich auch mit.

Mit Raffinesse wird in der Zentralküche dafür gesorgt, dass Zufriedenheit herrscht. Das hebt die Laune auch in anderen Bereichen. Sauerbraten mit Rotkohl und Reibekuchen stehen auf der Beliebtheitsskala Gladbacher Altenheimbewohner ganz oben. Und beides bekommen sie auch regelmäßig, denn sie dürfen mitreden, wenn die Essenspläne geschrieben werden.

Vor der Zentralküche hatte sich die Staatssekretärin bereits über das Projekt "Älter werden im Quartier Eicken" informiert und die "Ambulante Muckibude" besucht. "Mönchengladbach ist bereit, neue Ideen zu entwickeln", lobte sie die innovativen Ansätze. Das sei auch notwendig angesichts des demografischen Wandels. Der Träger Sozial-Holding sei nah bei den Menschen und Mönchengladbach gehöre damit zu den Vorreitern.

(Report Anzeigenblatt)