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Der Keim ist ein fieser Sack

Der Keim ist ein fieser Sack
Wo das Immunsystem schwächelt, greifen die bösen Keime an. FOTO: Pixabay
Mönchengladbach. Panikmache ist wenig hilfreich. „Wir bagatellisieren nichts, dramatisieren aber auch nichts“, erklärt Dr. Alexander Pesch, ärztlicher Leiter der Abteilung Klinikhygiene der Kliniken Maria Hilf. Das Bild von den „vorbildlichen Niederländern“ möchte er einschränken: „In Holland werden MRSA-Patienten gar nicht aufgenommen, außer im Notfall“, erklärt er. „Die haben auch ein großes ambulantes System, das das erlaubt.“ Was Klinikhygiene angehe, seien die Kliniken Maria Hilf vorbildlich. „Eine Abteilung Klinikhygiene unter fachärztlicher Leitung gibt’s sonst hier nicht. Wir führen seit 2009 bei jedem Patienten einen MRSA-Aufnahmetest durch.“ Von Petra Käding

Doch was passiert mit infizierten Patienten, wenn Antibiotika nicht mehr helfen? Die Frage beantwortet Dr. Johannes Kaenders, Chefarzt und Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie am Eli in Rheydt. „Drei wirkungsvolle Antibiotika gibt es derzeit noch gegen MRSA“, sagt er. Und dann: „Aber ich kann die Uhr danach stellen, dass auch die irgendwann nicht mehr funktionieren!“ Aus diesem Grund probiere man es auch zunächst mit bewährten Antibiotika, um nicht verfrüht „die letzte Waffe“ zu verwenden. „Der Keim ist ein mieser, fieser Sack! Er liegt auf der Haut, wartet auf seine Chance und greift da an, wo das Immunsystem geschwächt ist, zum Beispiel bei Menschen mit Nierentransplantationen.“ Im niederländischen System sieht Kaenders durchaus Vorteile. „Die Niederländer sind strikter, haben Isolationszimmer mit Schleuse – die sind in Deutschland wegrationalisiert worden.“ Auch am Eli wird alles getan, was möglich ist: Hygiene-Standards, MRSA-Tests, Desinfektions-Spender; Isolation von MRSA-Patienten.

Dasselbe gilt für das Krankenhaus Neuwerk. Wie das Eli und Maria Hilf hat es das MRSE-Gütesiegel. Und, wie die Abteilung Marketing und Kommunikation informiert: „Seit diesem Monat ist neben den Hygienefachkräften auch ein Arzt hauptamtlich für die Erfüllung der hohen Qualitätsstandards zuständig.“

Was konkrete Zahlen angeht, halten sich die Krankenhäuser bedeckt. „In den letzten Jahren hat die Rate der entdeckten multiresistenten Keime zugenommen“, räumt das Krankenhaus Neuwerk ein. Alle drei Krankenhäuser erklären, dass MRSA meistens von außen eingeschleppt wird. Die Ursachen sind ein offenes Geheimnis. „Wir sind Bestandteil des Problems“, erklärt Kaenders. „Die meisten Antibiotika werden in der Tiermast eingesetzt – da entstehen Resistenzen im großen Stil.“ Und dann ist da noch die Mobilität. „Ein Viertel der Urlauber bringen multiresistente Keime mit - aus Asien, Afrika“, so Pesch. Was man mit dem Wissen macht? Langfristig: überlegen, ob es jeden Tag Wurst sein muss, und dreimal im Jahr Fernreisen. Und kurzfristig: Hände waschen!

(StadtSpiegel)
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