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Der Kleine mit den großen Gefühlen

Der Kleine mit den großen Gefühlen
In der Künstlergarderobe des Wickrather Kunstwerks hat sich Redakteurin Yvonne Simeonidis mit Purple Schulz zum Interview getroffen. FOTO: Andreas Baum
M’gladbach. Beim Weltparlament der Clowns, welches am 5. Mai, präsentiert vom Stadt Spiegel, in der Kaiser-Friedrich-Halle tagt, steht unter anderem Purple Schulz auf der Bühne. Wir trafen ihn im Vorfeld im Wickrather Kunstwerk, um über seine ganz persönliche Verbindung zu Wickrath und Mönchengladbach, seine Karriere und die Verbindung zu Clownin Antoschka zu sprechen. Von Yvonne Simeonidis

Wenn Purple Schulz nach Gladbach kommt, genauer gesagt, wenn er seine Tante Bernie in Wickrath besucht, ist das für ihn wie eine Zeitreise: „In dem Moment, wo ich durch die Tür gehe, bin ich wieder vier Jahre alt. Die Gerüche, das Gefühl, einfach alles.“ Für den „kölsche Jung“ und seit vielen Jahren Wahl-Bergheimer ist das Haus seiner Tante in Wickrath ein zweites Zuhause. „Halb Wickrath kennt sie wahrscheinlich“, lacht Purple Schulz, „sie war lange Jahre Grundschullehrerin hier.“

Von Wickrath bis Glehn, wo Clownin Antoschka und Wolfgang Riehn, die Initiatoren des Weltparlaments der Clowns, wohnen, ist es dann wahrlich nicht mehr weit. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, betonen Purple Schulz und seine Frau Eri unisono, als wir sie fragen, wie die Verbindung zu den Glehnern zustande kam. Wie es der Zufall wollte, waren Riehn und Antoschka nämlich auf der Insel Juist, just als Purple Schulz dort im vergangenen Jahr ein Konzert gab. Die beiden Paare lernten sich kennen und es entstand sofort eine enge Freundschaft. Auf Juist war es auch, als Clownin Antoschka eine besondere Bitte an ihn herantrug: „

Würdest du mir die Ehre erweisen, mein Ehrenclown zu sein?“ Für Purple Schulz bestand gar keine Frage, ob er dieses Angebot annehmen solle. „Antoschka und ich engagieren uns für die gleichen Sachen, da war es mir eine Ehre, ihre Einladung anzunehmen“, erinnert er sich.

Kurze Zeit später, bei Purple Schulz Geburtstagskonzert, überraschte Antoschka ihn mit einem Überraschungsauftritt. Von da bis zu seinem Auftritt beim Clownsparlament war es dann nicht mehr weit. „Dort werde ich eine Mischung aus meinem alten und neuen Programm präsentieren – kondensiert auf 20 Minuten“, erklärt Purple Schulz.

Seine Programme (das aktuelle: „Der Kleine mit dem Unterschied“) sind eine „hochemotionale Achterbahnfahrt“, bei denen – „so ernst die Themen auch sind“ – viel gelacht wird. Eine Mischung aus Konzert, Comedy, Kabarett – immer politisch und emotional: so lässt sich zusammenfassen, was seine Fans in den gut drei Stunden seines Programms erleben. Purple Schulz ist jetzt mehr unterwegs als während des großen Hypes in den 80er Jahren. „Verliebte Jungs“ kennt auch heute noch jeder und die alten Hits sind nach wie vor im Programm. „Ein bisschen Nostalgie muss sein“, schmunzelt Purple Schulz, der mit bürgerlichem Namen Rüdiger heißt. Allerdings erklingen die Hits von früher auch gerne in neuen Arrangements und manche sind plötzlich so aktuell wie vor 30 Jahren.

(Fast) immer mit dabei ist der tibetische Wirbelwind Thaddäus. „Eigentlich ist ER der Star“, lacht Eri Schulz, die für ihren Mann das Management betreibt. Egal ob beim Soundcheck oder im Studio: Thaddäus begleitet sein Herrchen auf Schritt und Tritt und macht seinem Ruf als Partyhund alle Ehre. Aktuell ist Purple Schulz auf Tour, im Sommer startet die Arbeit am neuen Album, das noch in diesem Jahr erscheinen soll. Live erleben kann man ihn – natürlich – bei der Benefizgala „World Parliament of Clowns“ am 5. Mai in der Kaiser-Friedrich-Halle, und mit seinem kompletten Programm am 27. Mai in Dormagen und am 16. September in Köln in der Kulturkirche. Und wer vom heimischen Sofa aus einen Einblick in Purple Schulz’ Gedankenwelt und Leben erhalten möchte, dem sei das Buch „Sehnsucht bleibt“ empfohlen, das der Musiker im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Das Buch „ist eine ganz persönliche Reise durch vier Jahrzehnte künstlerischen Schaffens und durch ein halbes Leben deutsch-deutscher Geschichte“.

(StadtSpiegel)