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Der Mann mit dem Hut

Der Mann mit dem Hut
Hans Hollein und Joseph Beuys bei der Eröffnung des Museums Abteibergs 1982. FOTO: Udo Dewies
Mönchengladbach (pmg/sp). Der Mann mit dem Hut begann in Mönchengladbach seine Karriere: Vor 30 Jahren starb Joseph Beuys, der mit Mönchengladbach eng verbunden war. Von der Redaktion

Joseph Beuys, am 23. Januar 1986 gestorben, war vor allem in den sechziger und siebziger Jahren mit Mönchengladbach eng verbunden, schließlich wurde am 13. September 1967 im ehemaligen Städtischen Museum an der Bismarckstraße die erste umfassende Museumsausstellung mit Werken von Joseph Beuys eröffnet. Gleichzeitig gelang dem neuen Museumsdirektor, Johannes Cladders, zu seinem Einstand mit dieser Ausstellung ein „Paukenschlag“. Obwohl an diesem Tag der erste Kölner Kunstmarkt begonnen hatte, wurden am Eröffnungsabend in Mönchengladbach rund 600 Besucher gezählt. Die Gäste mussten schubweise in die Ausstellung gelassen werden. Warteschlangen standen bis auf die Straße. Insgesamt 122 Skulpturen und Objekte sowie 20 Zeichnungen aus den Jahren 1949 – 1967 wurden gezeigt.

Die Stadt erwarb im Rahmen der Finanzmittel „Kunst am Bau“ eine Bronzeplastik von Beuys, das „Aggregat“ aus dem Jahre 1962. Die Plastik wurde vor der Bezirksverwaltungsstelle in Hardt aufgestellt, was zu einem Aufruhr in der Bevölkerung führte, wurde das Werk doch im Volksmund als „Hundehütte“ bezeichnet. 1968 widmete der Karnevalszug dem Objekt sogar einen Motto-Wagen. Im selben Jahr ging die Installation als Leihgabe für die Beuys-Ausstellung des Stedelijk van Abbemuseums nach Eindhoven, um sie dann später wieder ins Mönchengladbacher Museum zu rückzuholen. 1969 folgte ebenfalls im Museum in der Bismarckstraße das legendäre Fluxus-Konzert „...oder sollen wir es verändern?“ zusammen mit Henning Christiansen, das als „Sauerkraut-Happening“ bekannt wurde. 1970 besuchte Beuys abermals das Museum zur Eröffnung der Ausstellung „Alles ist Architektur – Eine Ausstellung zum Thema Tod“ von Hans Hollein, dem späteren Architekten des Museums Abteiberg.

In guter Erinnerung geblieben ist vielen auch die Beuys-Aktion „Friedensfeier“ mit Jonas Hafner zu einer stillen Karfreitags-Aktion 1972 vor dem Gladbacher Münster, in dessen Tür heute noch das eingeritzte Wort „Exit“ zu lesen ist. Im selben Jahr gab der Museumsverein seine berühmte Jahresgabe „Objekt zum Schmieren und Drehen“ von Joseph Beuys heraus. Der Vorschlag, Joseph Beuys 1973 im Zuge der Vorbereitungen auf die Jahrtausendfeier der Abtei (1974) mit der Neugestaltung des Westportals der Münster-Kirche zu beauftragen, fand damals keine Zustimmung. Zur Eröffnung des Museums Abteiberg im Oktober 1982 schmückte Joseph Beuys eigenhändig sein 1969 vom Museum erworbenes „Revolutionsklavier“ mit 200 roten Baccara-Rosen und 100 roten Nelken. Und am Eröffnungstag selber sorgte er für Aufsehen, als er in Anwesenheit von Alt-Bundespräsident Karl Carstens eine Demonstranten-Parole mit grüner Farbe auf eine Mauer sprayte.

Das Museum besitzt heute über 20 Objekte und Skulpturen von Joseph Beuys, unter anderen das „Aggregat“ von 1962, die mit Ledersack, Weste, Luftpumpen und Schweinsblase bestückte Vitrine „Lagerplatz“ (1962–66) sowie das „Revolutionsklavier“ von 1969, den Filzanzug von 1970 und das Tür-Objekt „Poor House Door – A new beginning is in the offing“ von 1981. 1984 gab der Museumsverein die mit einem Werk von Beuys bestückte und schnell vergriffene Jahresgabe „Hommage à Cladders“ heraus. 1986 und noch einmal 1990 zeigte das Museum Abteiberg Ausstellungen mit Zeichnungen von Joseph Beuys. Einen besonderen „Leckerbissen“ erhielt die Stadtverwaltung 1983, als Beuys die Haushaltssatzung künstlerisch gestaltete – kostenlos.

(Report Anzeigenblatt)
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