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Die Mitte ist (zu) ruhig

Die Mitte ist (zu) ruhig
„Die Politiker müssten mal zu Fuß durch ihre eigene Stadt laufen“, finden Frank Geyer, Christoph und Nina Hartung und Albrecht Graefer (v.l.). Sie suchen jetzt Mitstreiter. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Die Mitte ist ruhig – das klingt nach Entspannung. Doch was Mönchengladbachs Mitte angeht, droht wohl eher der Herzstillstand, so gravierend ist der Leerstand. Die Geschäftsleute an Gladbachs Herzstück, der oberen Hindenburgstraße, wollen das nicht mehr hinnehmen. Von Ulrike Mooz

Mönchengladbachs Herzstück war immer der Alte Markt, die Geschäfte der oberen Hindenburgstraße gut frequentiert. Doch seit einem Jahr ist das anders: In vielen Ladenlokalen ist Leere, gähnende Leere. Und fast täglich kommt weiterer Leerstand dazu. In manchen ehemaligen Schaufenstern sind inzwischen sogar die Vermietungsschilder verschwunden – so als wolle man gar nicht, dass da Neues entstehe.

Frank Geyer, Geschäftsführer von Sinn Leffers, das Juwelierehepaar Christoph und Nina Hartung und Albrecht Graefer, Inhaber des gleichnamigen Traditionsmodehauses, gehören zu den Geschäftsleuten, die sich bewusst fürs Bleiben in der alten Stadtstruktur entschieden hatten. Bislang konnten sie darauf vertrauen, dass ihre Kunden den Weg auch weiterhin zu ihnen finden. Sie wollen aber die Situation nicht mehr tatenlos hinnehmen: „Man lässt uns hier ausbluten“, ärgert sich Sinn Leffers-Geschäftsführer Geyer.

Krieg mit der Stadt will keiner und als Bittsteller wollen die renommierten Geschäftsleute erst recht nicht auftreten, aber die Enttäuschung, dass nach dem Minto-Bau alles genau so gekommen ist, wie die schlimmsten Kritiker befürchtet hatten, ist groß. „Wenn es die EWMG nicht einmal schafft, 600 Meter Fußgängerzone so zu bewirtschaften, dass sie als 1A-Lage erhalten bleibt, dann ist das wirklich schwach“, findet Albrecht Graefer.

Die schlechte Erreichbarkeit sehen die vier als Hauptproblem. Am Dienstag, als die Busfahrer gestreikt haben, sei fast gar keine Laufkundschaft mehr oben vorbei gekommen.

Und gehört, was angeblich nicht geht, haben die Geschäftsleute auch schon genug: Die alte Cable Car-Idee wurde immer wieder abgelehnt und zur Einführung von Fahrradrikschas auch schon abgewunken. „Jetzt wollen wir mal hören, was geht“, sagt Christoph Hartung. Und damit meinen die Geschäftsleute keine Utopien von Markthallen und pittoresken Häuserzeilen in ferner Zukunft – es muss schnell was passieren. „Unser Frequenzmessgerät zeigt 30 Prozent weniger Kundschaft an“, sagt Frank Geyer. Sinn Leffers hatte damals direkt mit den Ladenöffnungszeiten des Minto gleich gezogen. Gebracht hat es nichts.

„Wir wollen was tun“, sagt Nina Hartung. Die Aktion „Schauzeit“ in Rheydt, bei der junge Kreative in leeren Ladenlokalen verkauft haben, schwebt ihr vor. Der ADFC will die Rikscha-Idee erneut aufgreifen. Die leeren Schaufenster könnten beklebt werden. „Und das Parkhaus müsste länger geöffnet haben“, findet Albrecht Graefer. Vielleicht könnten Autos wieder zugelassen werden...

(Report Anzeigenblatt)