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Sütterlin-Gruppe im Altenheim Odenkirchen übersetzt in Sütterlin-Schrift geschriebene Texte
Dokumente für die Ewigkeit

Sütterlin-Gruppe im Altenheim Odenkirchen übersetzt in Sütterlin-Schrift geschriebene Texte: Dokumente für die Ewigkeit
Die Sütterlin-Gruppe trifft sich einmal im Monat in der Generationenbibliothek des Altenheims Odenkirchen. Beim 50. Treffen freuten sich insbesondere Initiator Hans-Gert Lingen (stehend 2.v.r.) und Sozial-Holding Geschäftsführer Helmut Wallrafen-Dreisow (sitzend mitte). FOTO: Andreas Baum
Odenkirchen (df). Zum 50. Mal traf sich in der vergangenen Woche die Süttelin-Gruppe des Städtischen Altenheims Odenkirchen. Hier werden alte in Sütterlin-Schrift geschriebene Schriftstücke übersetzt und so verhindert, dass historische Dokumente in Vergessenheit geraten oder gar vernichtet werden. Von David Friederichs

Anneliese Schild ist schon von Beginn an dabei. Die 95-jährige Bewohnerin des Städtischen Altenheims Odenkirchen ist einmal im Monat mit Eifer bei der Sache, wenn sich die Seniorinnen und Senioren in der Generationenbibliothek Odenkirchen treffen, um in Sütterlin verfasste Schriftstücke zu übersetzen. "Frau Schild ist uns schon eine große Hilfe. Sie kann viele Texte fast fließend lesen", sagt Hans-Gert Lingen. Der Initiator der Sütterlin-Gruppe und Mitglied des Heimatvereins Odenkirchen hatte 2006 die Idee, die alten Dokumente für die Nachwelt zu erhalten. "Wir hatten zahlreiche Anfragen bei uns im Heimatverein und dann hat sich der historische Ausschuss der Sache angenommen. Wir leisten hier aktive Geschichtsarbeit. Wir wollen die Geschichte Odenkirchens fortschreiben", berichtet Lingen.

In der vergangenen Woche lud der 71-jährige ehemalige Verwaltungsangestellte zum bereits 50. Mal ein. Von Beginn an erhielt die Gruppe dabei große Unterstützung durch die Sozial-Holding der Stadt und deren Geschäftsführer Helmut Wallrafen-Dreisow. "Es ist sehr spannend für uns als Gesellschaft. Hier wurde ein kleiner Diamant entwickelt", so Wallrafen-Dreisow. Etwa fünf bis sechs Seniorinnen und Senioren treffen sich dabei immer einmal im Monat dienstags von 10 bis 11.30 Uhr und arbeiten alte Texte auf. Mittlerweile hat Lingen vier große Ordner voll mit übersetzen Dokumenten.

Die Schwierigkeit in der Übersetzung liegt zum einen in der Entzifferung der handschriftlich verfassten Schriftstücke, zum anderen in den doch sehr dem heutigen Sprachgebrauch abweichenden Formulierungen. Eine große Hilfe ist dabei Walter Cohnen. Der in seiner Freizeit leidenschaftliche Ahnenforscher bringt zahlreiches Hintergrundwissen mit ein. "Viele Wörter müssen wir uns hier hart erarbeiten", erklärt Cohnen. So kann es vorkommen, dass man an einer einzelnen Formulierung oft lange sitzt, ehe man den entscheidenden Einfall hat.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Sütterlin-Schrift in Preußen eingeführt und wurde 1935 zur Deutschen Volksschrift. Die Nazis verboten 1941 durch einen Erlass die Sütterlin-Schrift und die lateinische Schrift hielt Einzug. Auch wenn in den 50er Jahren Sütterlin teilweise wieder an Schulen unterrichtet wurde, wird die Zahl der Leute, die diese Schrift lesen können, immer kleiner.

Umso wichtiger also, dass diese Gruppe der Senioren sich diesem Thema angenommen hat, um wichtige historische Dokumente für die Nachwelt aufzuarbeiten, damit diese nicht in Vergessenheit geraten

(Report Anzeigenblatt)