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Ein Bild geht auf Reisen

Ein Bild geht auf Reisen
Wim Crins übergibt sein Bild am 11. Juni in einer Feierstunde an das Museum im tschechischen Lidice. FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach (um). Vor vielen Jahren hat der Mönchengladbacher Hobbykünstler Wim Crins ein Ölgemälde gemalt. Das Bild bekommt nun einen Ehrenplatz im Museum von Lidice in Tschechien. Von Ulrike Mooz

In seiner Wohnung sind die Wände bedeckt von Bildern. Wim Crins hat eigentlich ständig eins in Arbeit. Manche sind Stillleben mit Blumen, Landschaften und Tieren. Andere muten märchenhaft an und wieder andere sind politische Statements. Es gibt Motive, die immer wieder auftauchen und Bilder, an denen der Hobbymaler immer mal wieder etwas verändert. Eins zieht die Blicke besonders an: Eine Mutter mit einem Kind, die einem brennenden Dorf entflieht, während Soldaten die Häuser überfallen. „Svatá Matko, kde jsi byla?“ ist der tschechische Titel, Heilige Mutter, wo bist Du gewesen? „Das Dorf ist 1942 überfallen worden“, hat Crins recherchiert, von den Sicherheitsbehörden der nationalsozialistischen Besatzungsmacht. Alle Männer wurde ermordet, Frauen und Kinder deportiert. Und in der SS seien damals nicht nur Deutsche gewesen, auch zum Beispiel Niederländer. „Da muss man ehrlich sein“, sagt der Niederländer, der früher Maurer war und seit einigen Jahren in Mönchengladbach lebt.

Das Bild hat Crins vor mehr als 20 Jahren nach einem Urlaub in Tschechien gemalt und immer wieder darüber nachgedacht, dass es eigentlich in Lidice einen Platz finden müsste. Irgendwann hat er einfach ans dortige Museum geschrieben.

Zunächst hat man ihm nicht viel Hoffnung gemacht, dass das Bild bald aufgehängt würde. Doch jetzt, zum 74. Gedenktag der Zerstörung von Lidice, sieht er sich und sein Bild plötzlich als Teil eines Festaktes am Massengrab der Lidicer Männer. Der tschechische Präsident Miloš Zeman wird dort reden, der Erzbischof von Olomouc, Monsignore Jan Graubner und die Bürgermeisterin Helena Vondracková. Und Wim Crins kann endlich sein Bild überreichen. „Natürlich fahre ich hin“, freut sich Wim Crins, dass endlich zusammen kommt, was zusammen gehört.

(Report Anzeigenblatt)