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Ein bisschen wie Bundeswehr

Ein bisschen wie Bundeswehr
Kilometerlange Steigungen in brütender Hitze gehören zu den Herausforderungen.
Mönchengladbach. Sie meisterten das härteste Radrennen der Welt, das „Race Across America“ mit Bravour: Das Mönchengladbacher RAAM-Team Maxmo belegte im Viererteam den zweiten Platz hinter den Amerikanern. Von Ulrike Mooz

Bergauf und bergab bei Gluthitze, unerträglicher Schwüle, Blitzgewittern und modriger Kälte, vor fantastischen Bergkulissen in dünner Höhenluft aber auch entlang von Straßenrändern, an denen sich Müll, Tier-Kadaver und Autoteile türmen – das RAAM-Team Maxmo, bestehend aus den zwei Zweiergruppen Sven Imhoff und Willi Verleysdonk, sowie Oliver Dienst und Norbert Nusselein, hat es geschafft, das härteste Radrennen der Welt, das „Race Across America“. Und nicht nur irgendwie hinter sich gebracht, sondern mit Platz zwei von 27 Viererteams, hinter dem überwiegend aus Profis bestehenden US-Team.

Die Extremsportler haben mit Hitze, Kälte, Müdigkeit, Erschöpfung, hohen Ozonwerten, Sauerstoffmangel und Luftfeuchtigkeit gekämpft und am Ende sogar noch das führende Achterteam überholt. „Man wird auf seine Grundbedürfnisse reduziert. Nach drei Tagen war es egal, ob man geduscht hat“, sagt Oliver Dienst – in einem Rennen, in dem mehr als 50 Prozent der Teilnehmer auf der Strecke bleiben.

6 Tage, 3 Stunden und 10 Minuten haben sie für die Strecke von 4 800 Kilometern gebraucht - abgesehen von dem Mammuth-Training, das der sportlichen Herausforderung voraus gegangen war. „Wir haben unser Ziel mehr als erreicht“, sagt Oliver Dienst und betont, dass das Ganze eine echte Teamleistung war, denn neben den vier Fahrern waren noch 16 Teamkameraden vom Arzt bis zum Trainer, Physiotherapeuten und sogar Kameraleute unter der Fuchtel von Crew-Chief Daniela Dienst mit im Boot.

Tag und Nacht sind die Extremsportler im Wechsel von 20 Minuten gefahren – erst das eine, dann das andere Duo. Ausruhen mussten sie sich im hinterher fahrenden Wohnmobil unter Aufsicht der Ärzte Dr. Ursula Hildebrandt und Christian Manunzio von der Kölner Uniklinik, die das Projekt unterstützt hat.

Neben Plattfüßen an Fahrrädern und Autos gab es auch einen richtigen Unfall: Radfahrer Christoph Bohnen, der eigentliche Partner von Sven Imhoff, stürzte im Training auf einer sehr steilen Abfahrt kurz vor Rennstart und erlitt schwere Brandverletzungen auf dem überhitzten Asphalt und brach sich dreimal das Schlüsselbein. Willi Verleysdonk sprang kurzfristig ein. „Das war kein reines Radevent, sondern auch Adventure“, sagt Sven Imhoff. Weniger wie Urlaub, mehr so ein bisschen wie Bundeswehr, finden die Sportler.

Das „Race Across America“ soll ein einmaliges Erlebnis für das Team bleiben. Aber dem verunglückten Teamkollegen Bohnen zu Ehren, soll es irgendwann noch ein anderes weiteres Radrennen geben.

(Report Anzeigenblatt)
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