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Ein leuchtendes Beispiel

Ein leuchtendes Beispiel
Lichtblicke für dunkle Straßen, vorgeführt auf dem Begegnungsstätten-Laufsteg: Polizeihauptkommissar Erwin Hanschmann, „Wendezeit“-Leiterin Bernadette Peters, Natalia Spanagel vom Projektteam der Hochschule Niederrhein und die Models (v.r.). FOTO: Andreas Baum
Rheydt. Die im Dunkeln sieht man doch – wenn sie clever und funktional gekleidet sind: Polizei und Hochschule Niederrhein kooperieren in Sachen innovativer Mode für Senioren. Von Silvia Weise

„Unsere älteren Mitbürger verunglücken oft, weil sie in Dämmerung und Dunkelheit nicht gesehen werden.“ Erwin Hanschmann, Polizeihauptkommissar Direktion Verkehr und Verkehrsunfallprävention, kennt die Zahlen. „Leute, macht euch sichtbar – das predigen wir immer wieder“, berichtet er. „Nützt aber wenig.“ Denn ’diese Leuchtdinger’, das wissen Hanschmann und Kollegen, wollen Senioren nicht anziehen. „Wer will schon wie ein Schülerlotse aussehen?“

Was lag also näher, als die Herausforderung gemeinsam anzugehen: Im Auftrag der Polizei Mönchengladbach hatten Studierende der Hochschule Niederrhein drei Monate Zeit, eine verkehrssichere und tragbare Senioren-Kollektion zu entwickeln. Zum zehnköpfigen Projektteam aus dem Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik gehört Natalia Spanagel. „Schon nach den ersten Kontakten mit unserer Zielgruppe – etwa in Seniorenheimen oder bei Rollatorentreffs – war klar: Ältere Mensche mögen gedeckte Farben. Dunkelblau, Braun, Anthrazit... davon wollen sie nicht weg. „Modern, pflegeleicht, tagsüber unauffällig – so wünschen sich Senioren ihre Garderobe.“ Bernadette Peters, Leiterin der Begegnungsstätte Wendezeit, bestätigt: „Sieht man ja, was im Flur an den Haken hängt.“ Auch an diesem Tag, an dem ein Hauch von Couture durch den Saal weht: In der Wendezeit geht die clevere und funktionale Seniorenkollektion über den Catwalk. Sehr schick kommt ein Wintermantel mit sichtbar machenden Elementen in Nähten und Taschenverarbeitung daher, es geht aber auch anders: Schon reflektierende Knöpfe machen den Träger sichtbar, phosphoreszierende Näh- und Stickfäden tun ein Übriges. „Niemand muss wie ein Weihnachtsbaum herumlaufen, um nicht überfahren zu werden“, erklärt Erwin Hanschmann.

Die Models beweisen es: Accessoires wie die trendy Trappermütze mit Strahle-Akzenten oder der Schirm mit Leuchtrand verlangen weder Modemut noch dicke Geldbörse, sind aber schon im Indoor-Bereich wahre Hingucker. Zum Verkaufsschlager, die Publikumsreaktionen zeigen es, könnte der leuchtende Jute-Shopper werden. Bislang handelt es sich bei den vorgeführten Teilen um eine Musterkollektion, Kontakte zu Handel und Herstellern, so Natalia Spanagel, sind geknüpf. Funktionales wie Tragbares, entwickelt in MG – möglicherweise bald in Serie, in jedem Fall schon jetzt ein leuchtendes Beispiel in Sachen Alltagstauglichkeit.

(Report Anzeigenblatt)