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Ein Mann mit vielen Talenten und Facetten

Ein Mann mit vielen Talenten und Facetten
Dr. Ralf Seidel erhält aus den Händen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft das Verdienstkreuz am Bande. FOTO: Land NRW/R. Sondermann
Mönchengladbach. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an elf Bürger aus NRW überreicht. Unter ihnen auch Dr. Ralf Seidel. Von Yvonne Simeonidis

In einer Feierstunde in Düsseldorf lobte die Ministerpräsidentin die herausragenden Verdienste dieser Frauen und Männer für die Gemeinschaft und hob den besonderen Wert des ehrenamtlichen Engagements hervor. „Es sind ganz besondere Menschen, die wir heute mit dem Bundesverdienstorden auszeichnen. Sie engagieren sich auf unterschiedliche Weise, manchmal mit großer Sichtbarkeit, manchmal aber auch als ‘Helden des Alltags’ in aller Stille. Jeder und jede von Ihnen sorgt dafür, dass unsere Gesellschaft nicht nur funktioniert, sondern dass unser Land lebens- und liebenswerter wird.”

„Wenn mir eine Sache mißfällt, so laß‘ ich sie liegen oder mache sie besser“, hat Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt. Ralf Seidel hat sich entschieden, sein großes Engagement, sein großes Können und Wissen dazu zu nutzen, etwas sehr Wichtiges besser zu machen: die Behandlung und Betreuung psychisch erkrankter Menschen.

Über 20 Jahre war er Ärztlicher Direktor der Rheinischen Landeskliniken und zehn Jahre leitete er den „Verein für die Rehabilitation psychisch Kranker e.V.“ in Mönchengladbach. In dieser Zeit setzte sich Ralf Seidel insbesondere für die Entwicklung gemeindenaher psychiatrischer Strukturen ein. Denn nach seiner Erfahrung kann eine optimale Versorgung von psychisch Erkrankten nicht auf den stationären Aufenthalt in einer Klinik beschränkt werden. Seiner Initiative ist der Aufbau des Psychosozialen Dienstes in Mönchengladbach zu verdanken. Er hat den Ausbau sozialpsychiatrischer Anlaufstellen vorangetrieben. Dazu gehören die Errichtung einer Tagesstätte zur Strukturierung des Alltags für psychisch Kranke, ein Café als Tagestreff und Anlaufstelle, sowie ein „Sozialpsychiatrisches Zentrum“.

Wesentliche Impulse hat Ralf Seidel auch im Bereich der Suchtarbeit gesetzt – etwa beim Aufbau eines Begegnungszentrums für Suchtkranke, bei der Arbeitstherapie und bei einem Wohnheim für schwer alkoholkranke Menschen.

Es ist maßgeblich dem Einsatz von Ralf Seidel zu verdanken, dass Mönchengladbach als Modellregion der Reformpsychiatrie gilt und einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Doch Ralf Seidel stellt sich auch der belasteten Geschichte der deutschen Psychiatrie zwischen 1933 und 1945: Mit Vorträgen, Veröffentlichungen und Ausstellungen hat er eine breite Öffentlichkeit auf dieses schwierige Thema aufmerksam gemacht. Bis heute ist er Mitglied des „Arbeitskreises zur Erforschung der NS-Euthanasie und Zwangssterilisation“.

Zum umfassenden Engagement Ralf Seidels gehört überdies eine Pionierrolle in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Psychiatrie. Er war Mitgründer der „Deutsch-Polnischen Gesellschaft für seelische Gesundheit“ und er unterhält zahlreiche fachliche und freundschaftliche Kontakte nach Polen. Und seit 2010 setzt sich Ralf Seidel im Projekt „Partnership for Mental Health“ gemeinsam mit weiteren Fachkollegen für die Unterstützung des psychiatrischen Reformprozesses in der Ukraine ein.

Ralf Seidel ist ein Mann mit vielen Talenten und vielen Facetten. Das wird auch daran deutlich, dass er neben Medizin auch Philosophie studiert hat. Bereits vor gut 20 Jahren gründete er die „Hans-Jonas-Gesellschaft Mönchengladbach“ und hält seitdem als Vorsitzender die Erinnerung an einen großen Sohn der Stadt, den Philosophen Hans Jonas, wach. Anlässlich des 100. Geburtstages des Philosophen, der das „Prinzip Verantwortung“ begründet hat, war Seidel Veranstalter eines international beachteten Symposiums mit Wissenschaftlern aus Deutschland und den USA.

Ralf Seidel steht für umfassendes kulturelles Engagement. Das wird auch daran deutlich, dass er 19 Jahre lang den Museumsverein – Museum Abteiberg unterstützt und über zwölf Jahre im Vereinsvorstand Verantwortung übernommen hat.

(Report Anzeigenblatt)
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