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Fünfter Teil unserer Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Ulrike Mooz versucht sich im Einradfahren
Einfach losfahren, alles klar...

Fünfter Teil unserer Sommerserie „Mein verborgenes Talent“: Redakteurin Ulrike Mooz versucht sich im Einradfahren: Einfach losfahren, alles klar...
Ich fahr’, ich fahr’, ich fahr’.... FOTO: Andreas Baum
Mönchengladbach. Jeder Redakteur sucht sich was, was er - oder sie - nicht kann. Das ist kurz das Motto unserer Sommerserie „Mein verborgenes Talent“ - auch auf die Gefahr hin, sich dabei „zum Affen“ zu machen, wie der Niederrheiner so schön sagt. Ok, ich hab Einradfahren genommen. Ex-Radartist Georg Bockers hat sich alle Mühe mit mir gegeben... Von Ulrike Mooz

Einfach so vorbei kommen und mal eine Runde Einradfahren - so geht’s nicht. „Kommen Sie erstmal vorbei, wir gucken dann, ob die Motorik bei Ihnen stimmt. Das geht auch im Sommerkleid“, sagt Georg Bockers, Inhaber von „Georgs Fahrradladen“ und Aktiver beim Radverein „Adler Neuwerk“, am Telefon. Also wirklich! Ich bin Reiterin. Und normalerweise sagt man uns nach, dass wir einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn haben. Außerdem kann ich freihändig Fahrrad fahren. Ich bin überzeugt, dass mit meiner Motorik alles im Lot ist...

Der Test geht so: Ich muss auf ein kleines Rädchen in der Größe eines Kinderfahrrads steigen, quasi eine Art Vorstufe zum Einrad. Das sieht erstmal easy aus, weil es einen Lenker und zwei Räder hat. Aber der hintere Teil, an dem auch die Pedale befestigt sind, dreht sich in alle Richtungen. Ich steige auf und kippe nach hinten - in meinem Sommerkleidchen. „Gewicht auf den Lenker stützen“, sagt Georg Bockers. Mach ich und fahr in den nächsten Kleiderständer in „Georgs Fahrradladen“. „Üben Sie einfach mal ein bisschen“, sagt der Radexperte und lässt mich allein. Ich übe, lenke um die Ecke und fahre mit dem hinteren Teil in die andere Richtung in den nächsten Klamottenständer. Nach fünf Versuchen beschließe ich, die Sache langsam anzugehen und sieh’ an, im Schneckentempo schaffe ich es, noch etwas wackelig, im Fahrradladen meine Runde zu drehen, ohne die Kunden um zu fahren, oder bei den ausgestellten Rädern einen Dominoeffekt auszulösen. Geht doch. Georg Bockers ist zufrieden mit mir und erlöst mich nach einer halben Stunde im Kreis fahren. Mit meiner Motorik stimmt alles, aber fürs Einradfahren heißt das noch lange nichts.

Bis zum richtigen Einradfahrversuch vergehen noch zwei Wochen, in denen ich mir Youtubes angucke, in denen Sechsjährige munter einrädrig durch Turnhallen fahren - manche sogar nur auf einem Bein. Türrahmen seien geeignet für erste Fahrversuche erfahre ich und die Pedale von meinem Schwungbein müsse beim Start unten sein.

Mit dem Schwungbein, das sagt Georg Bockers mir auch als es endlich so weit ist. Mangels Türfüllung halte ich mich rechts an einer halbhohen Wand fest, links reicht Georg Bockers mir die Hand. Schon ohne Fahren ist das wackelig. „Körperspannung, Kopf ausschalten und einfach losfahren“, sagt Georg Bockers. „Und dahin gucken, wo Sie hinfahren wollen. Nicht auf den Boden.“ Das kenne ich vom Reiten. Klappt aber trotzdem nicht. Ich falle um, sobald ich die Wand losgelassen habe. Der Fahrradsportler fängt mich gerade noch so auf. Erwachsene hätten so ihre Probleme, weil sie sich schon vorher ausmalen würden, was alles schief gehen könne, sagt Georg Bockers. „Kinder fahren einfach los - ohne nachdenken“.

Ich versuche, den Kopf auszuschalten und komme immerhin eine Pedalumdrehung weit, bevor Georg Bockers mich wieder einsammeln muss. Die Wand habe ich dafür losgelassen, die helfende Hand von Georg Bockers nicht.

Wir wechseln nach draußen auf den Parkplatz, wo mehr Platz ist. Jetzt muss ich ohne Wand und nur am Händchen von Georg Bockers starten. Ich bin überzeugt, dass das nicht geht und schlage vor, für die andere Seite mein Auto als Stütze zu nehmen. Aber da geht der Radexperte gar nicht drauf ein. Und wirklich, es geht auch so: Nach vielen Fehlversuchen, schaffe ich es immerhin, geschätzte fünf Meter weit zu kommen - einhändig gestützt. Bis mich die Körperspannung verlässt, dann ist es schlagartig aus. „In der Hüfte einknicken geht gar nicht“, sagt Georg Bockers. Den Spruch kenne ich auch vom Reiten.

Immerhin bekomme ich ein bisschen Beifall. Georg Bockers hat schon Schlechtere gesehen.

Nach einer halben Stunde verlassen mich Konzentration und Körperspannung endgültig. Und am Ende drehe ich noch ein paar Runden auf dem Rädchen vom Motoriktest. Man soll ja immer alles mit einem Erfolgserlebnis beenden.

Beim Einradfahren habe ich jedenfalls nicht viel Talent- weder verborgenes, noch offensichtliches. Aber es wäre schon toll, das zu können - auch für die Balance beim Reiten...

(Report Anzeigenblatt)