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Heinz Schichel baut Krippen in allen Größen und Formen – und das wahrhaft meisterlich
Einmal Krippler, immer Krippler

Kleinenbroich. Für den ersten Teil unserer Serie „Wir öffnen ein Türchen“ waren wir zu Gast bei Krippenbaumeister Heinz Schichel in Kleinenbroich. Von Yvonne Simeonidis

Schon als er ein kleiner Junge war, ist Heinz Schichel der Faszination der Krippen verfallen. „Ich war glaube ich acht Jahre alt, da habe ich mich schon an der ersten Krippe versucht“, lächelt der sympathische 71-Jährige verschmitzt. „Später hab ich dann eine Ausbildung zum Maler und Anstreicher gemacht“, blickt er zurück, „aber eigentlich wollte ich Restaurator werden.“ Daraus wurde leider nichts, da es damals gerade groß in Mode war alle Kirchen „einfach nur weiß zu streichen“.

Die Liebe zu den Krippen hat ihn jedoch nie verlassen. Als er vor 18 Jahren gesundheitsbedingt in den Vorruhestand gehen musste, machte er sein Hobby zum Beruf. Wie viele Krippen er denn in dieser Zeit gebaut hätte, fragen wir ihn: „Oh weh, eine genaue Zahl kann ich da gar nicht nennen, aber mehr als 100 sind es auf jeden Fall.“ In all diesen Jahren hat er nach der Prämisse „In jede christliche Familie gehört eine Krippe“ gearbeitet und hat aus diesem Grund seine Preise immer moderat gehalten. Eine seiner Krippen hat sogar die Reise über den Atlantik gemacht. Von Kleinenbroich nach Kentucky – und heil angekommen ist sie auch.

Sein aktuelles Werk – zwei Meter lang – thront im Wohnzimmer der Schichels. „Ich wollte es so originalgetreu wie möglich darstellen“, erzählt er. Dazu ließ er sich vom inzwischen verstorbenen Kleinenbroicher Pfarrer Robert Michils ein Video schicken, das dieser bei einer Reise nach Israel aufgenommen hatte. „Und dann hab’ ich das Lukas Evangelium rauf und runter gelesen. Wissen sie“, erzählt er im verschwörerischen Ton, „auch wenn das immer anders dargestellt wird, Jesus wurde gar nicht in einem Stall geboren sondern in einer Höhle!“ Und ebendiese Höhle bildet auch den zentralen Punkt in Heinz Schichels Krippe, die neben der Geburt Jesu auch alle anderen wichtigen Stationen der Weihnachtsgeschichte repräsentiert. Von der Verkündigung an Maria, dass sie den Sohn Gottes gebären wird, über die Hirten, zur Herberge der Maria und Josef verwiesen werden, bis zur Andeutung Ägyptens in der Ferne ist alles vertreten. Ausgearbeitet bis ins kleinste Detail wohlgemerkt. Über drei Monate hat Heinz Schichel allein am Mittelteil der Krippe gearbeitet. „Los geht es immer mit einer Zeichnung“, erklärt der Krippenbaumeister. Das „Fundament“ besteht aus einer Tischlerplatte, die Gebäude aus Styrodur – jeder Stein einzeln mit dem Schnitzermesser in Form gebracht – und Pappmaché. In mehreren Schichten wird dann die Farbe aufgebracht, mit einem Schwamm wieder teilweise abgetupft, um Tiefe zu erreichen und erneut trocken aufgetragen, um die Patina zu erzielen, die der Krippe den Anschein gibt, tatsächlich aus Stein zu bestehen. „Früher wurden die Krippen aus Gips und Holz gebaut, heute sind sie durch die modernen Materialien ganz leicht“, erklärt Heinz Schichel.

Warum die Krippe denn dann doch größer geworden ist, möchten wir wissen. „Nun“, schmunzelt er, „meine Frau hatte sich einen Elefanten für die Krippe gewünscht. Und den konnte ich ja nicht einfach so da dran stellen. Also kam der Part rechts der Höhle dazu.“ Doch da auf der linken Seite noch Platz war, bekamen dann die Hirten noch ihren Platz. „Dann war aber Schluss“, erinnert sich Ehefrau Marita Schichel. Früher standen schon Krippen im Schichelchen Wohnzimmer, die insgesamt 5,5 Quadratmeter groß waren. Da ist die aktuelle tatsächlich fast klein.

Sogar der ehemalige Papst Benedikt hat die Krippen von Heinz Schichel schon bewundert. „Ein befreundeter Pater brachte mich auf die Idee, dem Papst zu schreiben und ein paar Fotos mitzuschicken, da er wohl selbst Krippen sammelt.“ Und tatsächlich erhielt Heinz Schichel Antwort aus dem Vatikan – inklusive einem Foto des Papstes mit handschriftlicher Widmung.

Heinz Schichel ist Mitglied der Krippenfreunde Kleinenbroich, einer Abteilung des Heimatvereins. „Aktuell sind wir zu acht und leider ohne Werkstatt, aber das wird sich wahrscheinlich, so hoffen wir, bald ändern. Dann können wir auch wieder Krippenbaukurse anbieten“, freut er sich. Denn, es gibt Nachwuchs bei den Krippenbegeisterten und aus denen sollen schließlich auch einmal Krippenbaumeister werden.

Den Krippenbau-Beruf hat Heinz Schichel vor zwei Jahren aufgegeben – der Gesundheit und seiner Frau wegen. „Wir feiern in diesem Jahr noch goldene Hochzeit, da möchte ich natürlich gesund sein. Aber wenn jemand noch eine Krippe haben möchte, mache ich das natürlich. Er muss nur Geduld haben“, fügt er augenzwinkernd hinzu. „So lange die Finger und Augen noch mitmachen, werde ich auch Krippen bauen. Einmal Krippler, immer Krippler.“

(Report Anzeigenblatt)