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Einsatz für Ghanas Straßenkinder

Einsatz für Ghanas Straßenkinder
Karl-Heinz Göris kehrte unlängst aus Ghana zurück. Dieses Straßenkinderprojekt, dass die Kinder-Direkthilfe seit drei Jahren unterstützt, habe „Hand und Fuß“. FOTO: Christian Sander
Korschenbroich (csa). Kinder werden von ihren Familien als Sklaven verkauft. Oder sie werden vogelfrei aus der Dorfgemeinschaft verstoßen, weil sie angeblich Unglück bringen. Andere Kinder leben auf der Straße, weil ihre Familien zerrüttet sind. Wenn Karl-Heinz Göris von solchen Schicksalen aus Ghana berichtet, gefriert einem das eigene Blut in den Adern. Von der Redaktion

Karl-Heinz Göris, Vorsitzender der Kinder-Direkthilfe Korschenbroich, kommt gerade von einem Routinecheck des Straßenkinder-Projekts nach Hause. Regelmäßig besucht er mit Interessierten und Mitgliedern des Vereins diese Hilfsmaßnahme in Ghana, spricht mit Mitarbeitern und Bewohnern. Auch ehemalige Bewohner, alles auch frühere Straßenkinder, sind regelmäßig dabei, diesmal ein junger Mann, der Grundschullehrer geworden ist. Und eine Frau, heute medizinisch-technische Assistentin, die mitten im Leben steht. Solche Erfolgsgeschichten prägen das Projekt der Korschenbroicher.

Insgesamt werden bis zu 120 Kinder im Straßenkinderhaus in Bolgatanga betreut. Sie alle werden ganzheitlich in ihrer Entwicklung gefördert und begleitet. Ein langfristiges Ziel der Arbeit des Zentrums ist die Reintegration der Kinder in ihre Familien – ein Prozess, der oft mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Aktuell sind etwa 55 Kinder Teil dieses Programms.

Die zehn hauptamtlichen Betreuer achten auf Schulbildung, Hygiene und Ernährung. Auch, wenn die Kinder nach einigen Jahren aus dem Haus ausscheiden, werden sie weiter begleitet. Regelmäßig schauen die Begleiter im Dorf, in den Familien und den Schulen nach dem Rechten. Auch die Familien der Kinder, wenn es denn noch welche gibt, werden langfristig unterstützt: durch Sicherung eines Teils der Lebenshaltungs- und Bildungskosten. Und eine Mitgift erhalten die Familien auch, zum Beispiel zwei Ziegen. Ist eine Reintegration in die Familien ausgeschlossen, so bleiben die Kinder im Zentrum, bis sie 16 Jahre alt sind.

Das Projekt ist die Aktivität des dortigen katholischen Bistums. Geholfen wird aber allen Kindern, ungeachtet ihrer Konfession oder auch Nicht-Konfession. Die Projektförderung soll noch mindestens fünf Jahre fortgesetzt werden. Und, wenn es nach Karl-Heinz Göris geht, gerne auch noch länger. Denn ohne die Hilfe aus Korschenbroich ist das Projekt zum Scheitern verurteilt.

Umso mehr freut sich Göris, dass auch weitere langfristige Projekte geplant sind. Auf einem zukünftigen Bauernhof mit vielleicht einmal 500 Rindern sollen die Kinder eine Grundbasis von Landwirtschaft erlernen. Das Fleisch der Tiere soll verkauft werden und der Erlös fließt zurück ins Projekt. Außerdem soll ein zweites Haus gebaut werden, in dem Kinder Platz finden sollen, die nur nachts kommen wollen. Aber, dafür bräuchte man mehr Spenden. Ein Benefizkonzert im Februar in Pesch soll dazu der Anfang sein.

(Report Anzeigenblatt)